Mal umgekehrt: Was Startups von Unternehmen lernen können

Startups stehen für innovatives Denken, agiles Handeln und kurze Entscheidungswege – das ist hinlänglich bekannt. Und es wurde schon viel darüber geschrieben, dass große Unternehmen gut daran tun, wenn sie alte Strukturen aufbrechen und sich von der Arbeitsweise junger Gründer etwas abgucken. Doch wie sieht es eigentlich andersherum aus? Können Startups etwas von den „Großen“ lernen?

Konzerne werden nur schwer den Ruf los, verstaubt, spießig und steif in ihrer Arbeitskultur zu sein. Doch was so negativ behaftet ist, kann für ein neu gegründetes Unternehmen positive Effekte haben. Geschäftliche Strukturen und etablierte Prozesse können Startups wertvollen Halt und Stabilität geben. Gerade in der Anfangs-, aber auch in der Wachstumsphase stecken unerfahrene Entrepreneure gern mal im Hamsterrad der zu erledigenden To-dos fest. Ein Weg daraus: einfach mal vom Business-Know-how der alten Hasen profitieren.

Strukturen schaffen Freiräume

Gründer können Sicherheit und Routine im Arbeitsalltag gewinnen, wenn sie gewisse Prozesse und Strukturen im Team definieren. Was im ersten Moment nach eingeschränkter Agilität und Kreativität klingt, kann – ganz im Gegenteil – erst recht den Kopf freimachen. Denn wenn Aufgaben und einzelne Projekte einmal klar beschrieben und gegebenenfalls sogar mit Timings und Zielen verknüpft sind, bietet dies den Mitarbeitern eine hilfreiche Orientierung. Ist ein To-Do erledigt, bleibt genügend Zeit, um auch mal über neue Ideen oder das eigene Business nachzudenken – und zwar ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen und ohne Angst, man hätte etwas Wichtiges vergessen. Beliebte Projektmanagement-Tools für interne Prozessabläufe sind z.B. Asana oder Trello.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Auch ein Startup ist hartes Business und sollte von jungen Unternehmern als solches ernst genommen werden. Das wird jedem Gründer schlagartig klar, wenn es um das Thema Finanzen, Finanzierung oder finanzielle Engpässe geht. Die Devise „Einfach mal machen!“ bringt die eigene Firma nicht weiter, wenn es keine nachhaltige Geschäftstätigkeit gibt. Bei allem Elan und „Game Changer“- Optimismus braucht jeder Selbstständige einen fundierten Überblick über sein Budget, seine KPIs und Skalierbarkeitsmodelle und sollte seine Kunden von Anfang an mit einem vernünftigen CRM-System verwalten. Wer bei Geschäftszahlen und eigenen Unternehmensdaten auf Improvisation und Vertrauen setzt, wird schnell auf die Nase fliegen. Controlling und Monitoring sind essentielle Grundlagen für ein erfolgreiches Unternehmertum.

Richtiges Miteinander im Team

Flache bzw. keine Hierarchien werden in jeder Stellenanzeige von Startups angepriesen und hierhin grenzt sich jeder Gründer deutlich vom Obrigkeitsdenken in Konzernen ab. Kein „Gesieze“ und keine Abteilungsleiterebenen, die innovatives, schnelles Arbeiten im Keim ersticken. Doch sobald aus einem kleinen Startup ein wachsendes Unternehmen wird, bleibt es nicht aus, dass irgendwann neue Verantwortungslevel im Team festgelegt werden müssen und dass der CEO nicht mehr jederzeit für jeden bei jeglichen Belangen ansprechbar ist. Ab einer gewissen Mitarbeiterzahl ist es außerdem ratsam, Meetings und Jour Fixe zu etablieren. Die übersteigerte „Meeting-Kultur“ mag in Großunternehmen oftmals vom eigentlichen Arbeiten abhalten, aber es spricht nichts gegen gemeinsame Teamupdates ein- oder zweimal pro Woche. In solchen Terminen wird über den Stand der Dinge informiert und bei der Gelegenheit erfahren zum Beispiel die Softwareentwickler auch mal, was eigentlich in der Marketingabteilung passiert.

Lean Startup vs. starre Unternehmensstrukturen: welche Arbeitsweise passt zu Ihnen am besten? Erzählen Sie uns gern von Ihren eigenen Erfahrungen als Gründer oder Konzernangestellter.  

Beitragsbild: shironosov

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