Kennen Sie schon die spannendsten neuen Startups? Heute: ProGlove, ein smartes Wearable für die Industrie 4.0

Smart Cities, Smart Homes, Smart TVs – und jetzt auch noch ein Smart Handschuh! Das Münchener Startup ProGlove hat einen intelligenten Arbeitshandschuh für die Industriebranche auf den Markt gebracht und wird mit Preisen und Auszeichnungen überhäuft. Die neueste Errungenschaft: der renommierte Red Dot Design Award 2017.

Er heißt „Mark“ und soll die Effizienz in Unternehmen und die Ergonomie in der industriellen Produktion und Logistik steigern. Der ProGlove Handschuh sieht aus wie ein normaler Arbeitshandschuh, allerdings wird er ergänzt mit einer aufgesetzten Elektronik. Es handelt sich um ein Wearable, das ein freihändiges 2D-Barcode-Scannen und Dokumentieren ermöglicht und sich unmittelbar auf den Arbeitsprozess auswirkt. Im Logistikbereich wird beispielsweise das Einlesen und Prüfen von Paketen auf einen einfachen Handschuh-Scan reduziert. Für ein gesamtes Lagersystem können auf diese Weise im Handumdrehen 2.000 Arbeitsminuten pro Tag eingespart werden.

Thomas Kirchner, Mitgründer von ProGlove, hat bereits mit Kunden wie Audi, Penny oder dem amerikanischen Konzern John Deere zusammengearbeitet und die Rückmeldungen bezüglich Prozessqualität und Effizienzsteigerung sind durchweg positiv. Das junge Unternehmen aus Bayern bekommt neben dem Feedback aus der Industrie auch viel Anerkennung aus der Gründerszene und die Awards reihen sich aneinander. Bei einem Ideenwettbewerb im Silicon Valley belegten die Münchener Platz 3 und bekamen ein Preisgeld in Höhe von 150.000 Dollar. Ein sehr guter Anfang, auf den u.a. der erste Platz beim Gründerwettbewerb der Wirtschaftswoche Neumacher 2015 und eine Nominierung für den Deutschen Gründerpreis 2016 folgte. Und nun ganz aktuell: der Red Dot Design Award 2017, der im Juli feierlich an ProGlove übergeben wird.

Ein Interview mit dem smarten Gründer Thomas Kirchner über seinen intelligenten Handschuh:

Was bedeuten Ihnen die bisherigen Wettbewerbsnominierungen und Auszeichnungen?

Wettbewerbe und Auszeichnung sind hervorragend, um eine Idee zu testen. Als wir unseren ersten Wettbewerb, die „Make it Wearable“-Challenge im Silicon Valley von Intel gewonnen haben, merkten wir, dass die Idee anscheinend gut ankommt. Dreiviertel der größten OEMs kam auf uns zu und bekundete Interesse. Daher fassten wir den Entschluss zur Gründung.

Durch Wettbewerbe erreicht man sehr viele Menschen und bekommt direktes Feedback. Dadurch lernt man. Und wenn man gewinnt, spielt natürlich außerdem die mediale Aufmerksamkeit eine große Rolle. Wettbewerbe sind immer eine sehr günstige Pressearbeit, mit der man schnell viele potenzielle Kunden erreicht. Letztendlich hätten wir ohne die Aufmerksamkeit bei unserem ersten gewonnenen Wettbewerb und ohne das Preisgeld nicht einen so guten Start gehabt.

Was waren bisher die größten Herausforderungen in Ihrem Unternehmen und wie haben Sie diese gemeistert?

Jede Unternehmensgründung muss sich vielen Herausforderungen stellen. Zum einen bringt die Hardwarebranche grundsätzlich höhere Entwicklungszeiten und einen größeren Entwicklungsaufwand mit sich. Änderungen können nicht so schnell geändert werden, wie es z.B. bei einer App-Programmierung durch Umschreiben eines Codes möglich ist. Dadurch sind Unternehmen aus der Hardwarebranche weniger agil. Als Startup muss man sich dann in Geduld üben und dementsprechend Fristen setzen.

Zum anderen schränkt auch die Platzierung in der Industrie die Agilität ein, denn unsere Kunden sind DAX-Unternehmen mit verschiedensten Kulturen und Traditionen. Schon allein die Suche nach dem richtigen Ansprechpartner ist schwierig. Diese Unternehmen müssen zuerst eine Beziehung zu uns aufbauen, bevor sie uns einen Zugang gewähren. Hat man das erst mal erkannt, kann man sich gut darauf einstellen.

Was ist das Besondere an Ihrem Gründerteam?

Wir, also Jonas Girardet, Alexander Grots, Paul Günther und ich, sind alle sehr unterschiedlich. Nicht so sehr in unserem Wissen sondern vielmehr darin, wie wir an Probleme herangehen. Wir arbeiten schon länger zusammen und wissen einfach, dass wir uns sehr gut ergänzen. Irgendjemand findet immer eine Lösung und wir glauben an Perspektiven. Das Beste ist allerdings, dass wir es geschafft haben, andere fantastische Menschen anzuziehen, die jetzt für uns arbeiten. Und die sind noch viel wichtiger als wir!

Ihrer Meinung nach: was sollte ein junger Unternehmer an Eigenschaften mitbringen, um erfolgreich ein Startup zu gründen?

Don’t upgrade your lifestyle! Wer nach dem Studium erst einmal Unternehmensberater wird und viel Geld verdient, wird es schwer haben, wieder in den „Bootstrapping“-Modus zurückzukehren, den jede Gründung braucht. Wer ein Unternehmen aufbauen möchte, das gesund wächst, muss Geduld haben.

Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag bei Ihnen aus? Eine Antwort in max. 140 Zeichen:

Human Centered Design meets German Engineering. 🙂

Ein Blick in die Zukunft: Welche weiteren Meilensteine hat ProGlove in genau einem Jahr erreicht?

Unser Ziel ist Wachstum. Wir haben ein Produkt, das unsere Kunden mögen, und jetzt möchten wir es auch an alle anderen verkaufen. Wir haben bestimmte Umsatzziele und wollen dabei gleichzeitig unsere Kultur erhalten, auf die wir bisher sehr stolz sind. Wenn jeder – Kunden, Mitarbeiter und Investoren – in einem Jahr so glücklich ist wie heute, ist alles gut.

Und last but not least, bitte vervollständigen Sie: Ich würde immer wieder den Weg der Selbstständigkeit wählen, weil?

… ich irgendwie Freude daran habe!

Danke an Thomas Kirchner. GO AHEAD wünscht ProGlove weiterhin ganz viel Erfolg!

Beitragsbild, Quelle: ProGlove

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