Dos und Don’ts bei der Investorensuche

Es gibt kaum ein Startup, das nicht früher oder später auf Fremdkapital angewiesen ist. Und Finanzierungsmöglichkeiten gibt es heutzutage viele: Crowdfunding, Darlehen, Kredite, Inkubatoren, Business Angel oder Venture Capital. Sobald Gründer für sich herausgefunden haben, welche Option am besten zum eigenen Unternehmen passt, folgt der wichtigste Part. Es gilt, den Kapitalgeber von sich und der Geschäftsidee zu überzeugen. Damit dies gelingt, sollten ein paar Spielregeln bei der Investorensuche eingehalten werden.

Allein im Jahr 2015 wurden über 3 Milliarden Euro in deutsche Startups investiert, wie eine Studie der Unternehmensberatung EY zeigt. Vermögende Privatpersonen, die als Business Angel jungen Gründern finanziell und beratend unter die Arme greifen, sind genauso an der hohen Investmentsumme beteiligt wie Großkonzerne, die eigene Accelerator-Programme ins Leben rufen. Und alle Investoren haben eins gemeinsam: Sie stecken ihr Risikokapital nur in solche Geschäftsmodelle, die am Ende einen möglichst erfolgreichen finanziellen „Exit“ versprechen.

Doch wie schafft es ein Startup, auf sich aufmerksam zu machen in der Bewerberflut unter tausenden von Anfragen? Nach welchen Kriterien suchen sich Investoren „ihre“ Gründer aus? Hier gibt es ein paar hilfreiche Tipps.

Tipp 1: Gut vorbereiten

Viele machen den Fehler und unterschätzen die Investorensuche. Zum einen sollte sich jedes Startup darüber im Klaren sein, dass ein Kapitalgeber nicht einfach „mal schnell“ gefunden wird. Von der ersten Kontaktaufnahme bis zur tatsächlich überwiesenen Finanzspritze können mit Leichtigkeit 6 Monate vergehen. Dieser zeitliche Puffer sollte unbedingt mit eingerechnet werden. Außerdem müssen Gründer einen wasserdichten Businessplan erstellen, aus dem ihr Geschäftsmodell und ihre Finanzierungstrategie eindeutig hervorgehen. Denn eine gute Idee allein ist noch lange nicht profitabel und der Investor möchte schwarz auf weiß sehen, dass es sich um ein skalierbares Business handelt.

Tipp 2: Professionell netzwerken

Sind die Unterlagen vorbereitet, stellt sich die Frage, wie man nun die Angel, VCs & Co am besten kontaktiert. Abzuraten ist von E-Mails ohne persönlichen Bezug, denn solche Nachrichten werden garantiert im Posteingang untergehen. Im Schnitt erhält ein Investor 1.000 Anfragen im Jahr. Pro Monat wird allerdings nur ein Investmentvertrag unterschrieben. Gründer sollten schauen, ob sie in ihrem Umfeld jemanden kennen, (der jemanden kennt,) der eine erste Vorstellung in die Wege leiten könnte. Und ist das nicht der Fall, muss das eigene Netzwerk erweitert werden. Am besten geschieht dies auf Startup-Veranstaltungen, Pitch-Events oder auch Gründermessen. Früher oder später werden hier wertvolle Visitenkarten ausgetauscht.

Tipp 3: Perfekt pitchen

Das A und O, um einen Investor von sich zu überzeugen, ist der Pitch. Bei dem gemeinsamen Treffen geht es darum, innerhalb kürzester Zeit, viele relevante Informationen auf den Punkt zu bringen. Im sogenannten „Elevator Pitch“ etwa bleibt den vortragenden Gründern nur eine Minute, um ihre Geschäftsidee plausibel zu erklären. Grundsätzlich sollten Startups eine professionelle Präsentation auf 10 bis 15 Slides vorbereiten, die auf die wichtigsten Businessaspekte eingeht: Welchen Mehrwert hat das eigene Produkt oder die Dienstleistung für den Kunden? Was ist das Alleinstellungsmerkmal (USP)? Wie sieht die Vertriebs- und Marketingstrategie aus? Welche Meilensteine wurden schon erreicht? Und wofür genau wird wie viel Geld benötigt? Die Antworten darauf müssen sitzen und sollten selbstverständlich wahrheitsgemäß beantwortet werden. Der Investor wird es sofort merken, wo es Lücken oder Ungereimtheiten gibt. Und er wird aufgrund von Fakten entscheiden, ob er in das junge Unternehmen investiert oder nicht. Der beste Rat für einen perfekten Pitch ist daher: üben, üben, üben. Bei lokalen Pitch-Events, vor befreundeten Startup-Kollegen oder bei einem Gespräch im Fahrstuhl – es wird sich auszahlen.

Tipp 4: Persönlich überzeugen

Ein Investor trägt immer das finanzielle Risiko, wenn er in ein Startup investiert. Und da er keine Sicherheiten hat und einen potenziellen Erfolg nur abschätzen kann, muss er zumindest zu 100 Prozent an das Gründerteam glauben. Ein Startup sollte daher auch auf persönlicher Ebene Pluspunkte sammeln. Entscheidende Sympathiefaktoren sind Authentizität und Begeisterungsfähigkeit. Der Kapitalgeber möchte sehen, wie die Gründer für ihre Geschäftsidee brennen, wie das Team sich untereinander in ihren Kompetenzen optimal ergänzt und welchen strategischen Mehrwert der Investor selber in das Startup hineinbringen kann. Stimmt die Chemie nicht, wird auch eine enge Zusammenarbeit nicht funktionieren – und das Investment wäre nur hinausgeschmissenes Geld.

Haben Sie selber auch schon einen Investor gesucht? Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht? Wir sind gespannt auf Ihre Kommentare!

Beitragsbild: maxsattana

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