Was Sie als Chef bei Vorstellungsgesprächen beachten sollten

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Wenn man selbstständig arbeitet oder ein Unternehmen gegründet hat, gibt es alle Hände voll zu tun. Als eigener Chef verantwortet man nämlich viele Aufgaben gleichzeitig, vor allem wenn die Firma noch nicht allzu groß ist: Vertrieb, Marketing und auch das Personalwesen. Sollen beispielsweise neue Mitarbeiter gewonnen werden, ist der Gründer höchstpersönlich für den Bewerberprozess zuständig. Aber was gibt es eigentlich als Arbeitgeber bei Vorstellungsgesprächen zu beachten?

Jeder Arbeitssuchende weiß, dass ein Bewerbungsgespräch eine besondere Situation ist, auf die man sich gut vorbereiten muss. Schließlich möchte man den potentiellen neuen Arbeitgeber davon überzeugen, der richtige Kandidat für die Jobvakanz zu sein. Doch auch der Chef bzw. Personaler sollte den Vorstellungstermin mit großer Sorgfalt planen. Denn sowohl für Arbeitnehmer als auch für Arbeitgeber gilt: der erste Eindruck zählt! Die eingeladenen Bewerber bekommen im Gespräch ein wichtiges Gespür für das Betriebsklima und ein grundsätzliches Bild vom Unternehmen.

Tipp 1: Bereiten Sie das Vorstellungsgespräch vor

Seien Sie sich als Chef zunächst darüber im Klaren, dass es nicht reicht, eine Stelle einfach auszuschreiben und dann mal abzuwarten. Gehen Sie die schriftlichen Bewerbungsunterlagen der Kandidaten gründlich durch und definieren Sie im Vorfeld zum eigentlichen Gespräch wichtige Muss-und-Kann-Kriterien, die der neue Mitarbeiter mitbringen sollte. Sorgen Sie außerdem dafür, dass der Raum für den Vorstellungstermin angemessen vorbereitet ist und Sie während der Zeit mit dem Bewerber nicht gestört werden.

Tipp 2: Das Kennenlernen ist keine Einbahnstraße

Die eindimensionale Denkweise „Ich bin Chef, Du musst MICH von Dir überzeugen und nicht umgekehrt“ sollte schon längst nicht mehr in den Köpfen der Personalverantwortlichen vorkommen. Ein Vorstellungsgespräch ist vielmehr ein beiderseitiges Kennenlernen, denn auch der Bewerber muss sich vorstellen können, bei der neuen Firma zu arbeiten. Stimmt die Chemie zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht, wird auch später eine gute Zusammenarbeit wohl eher schwierig werden. Schenken Sie daher Ihrem Gegenüber die volle Aufmerksamkeit. Absolute No-Gos: an das klingelnde Handy gehen, gelangweilt aus dem Fenster schauen, sich arrogant verhalten und wichtig tun. Sie vertreten als Chef Ihr Unternehmen nach außen und sollten als Arbeitgeber attraktiv auf den Bewerber wirken. Bedenken Sie, dass eine respektlose Behandlung schnell negativ auf das Image Ihrer Firma abfärben kann. Deshalb ist eine angenehme und wertschätzende Gesprächsatmosphäre äußerst wichtig.

Tipp 3: Strukturieren Sie das Gespräch und stellen Sie die richtigen Fragen

Zunächst einmal: führen Sie das Vorstellungsgespräch am besten nicht allein. Es wird Ihnen die spätere Kandidatenentscheidung erleichtern, wenn Sie sich mit jemandem austauschen können. So werden Beurteilungsfehler vermieden. Hilfreich ist auch, wenn Sie sich Gedanken über einen Gesprächsleitfaden machen. Berücksichtigen Sie dabei die folgenden Abschnitte:

  • Begrüßung und Smalltalk zu Beginn
  • Vorstellung des Unternehmens und die eigene Jobbeschreibung
  • Selbstpräsentation des Bewerbers mit beruflichen Werdegang
  • Fragen Ihrerseits und offenes Gespräch mit dem Kandidaten
  • Abschluss und Verabschiedung

Führen Sie durch das Vorstellungsgespräch strukturiert durch, aber verwechseln Sie dabei das Kennenlernen nicht mit einem Kreuzverhör. Idealerweise entsteht nach der offiziellen Präsentation ein Austausch zwischen Ihnen und dem Bewerber, mit Fragen und Antworten von beiden Seiten. Die wichtigsten Punkte, nach denen Sie fragen können sind:

  • Erzählen Sie bitte etwas über sich, führen Sie mich durch Ihren Lebenslauf.Die einzelnen Stationen kennen Sie zwar schon aus den Bewerbungsunterlagen. Hier erfahren Sie aber noch mehr über die berufliche Entwicklung und Erfahrung im Einzelnen. Außerdem bekommen Sie einen guten Eindruck von der Kommunikationsfähigkeit Ihres Gegenübers.
  • Warum bewerben Sie sich für diese Position?
  • Warum sind Sie für uns der richtige Kandidat?
  • Was erwarten Sie von uns, von dem Job?
    Diese drei Fragen geben Ihnen einen Eindruck davon, welche Motivation und Fähigkeiten der Kandidat mitbringt, und welche Vorstellungen und Anforderungen er an die Arbeitsstelle und an Sie als Arbeitgeber hat.
  • Worin liegen Ihre Stärken/Schwächen?
  • Worauf sind Sie stolz, was sind Ihre bisherigen größten (Miss-)Erfolge
    Vermutlich werden Sie die ehrlicheren Antworten bei den Stärken und den Erfolgen bekommen. Aber je nachdem wie der Bewerber auf die Schwächen und berufliche Misserfolge eingeht, lassen sich auch hier wertvolle Rückschlüsse auf Arbeitsweise und Fähigkeiten ableiten.
  • Wo sehen Sie sich in 3/5/10 Jahren, was möchten Sie bis dahin erreicht haben
  • Warum haben Sie diesen Beruf/diese Branche/dieses Studium gewählt
    Erfahren Sie, welche Ziele und Karrierepläne der Kandidat hat und schauen Sie, was er gegebenenfalls ursprünglich einmal machen wollte.
  • Was machen Sie, wenn Sie nicht arbeiten?
    Allzu private Fragen in einem Vorstellungsgespräch sind natürlich absolut fehl am Platz. Falls Sie aber den Charakter des Bewerbers besser einschätzen möchten, können Sie bei den Hobbies und Freizeitaktivitäten vorfühlen.
  • Welche Fragen haben Sie an uns?
    Anhand der Fragen, die Sie nun gestellt bekommen, können Sie ablesen, wie sehr sich Ihr potentieller zukünftiger Mitarbeiter mit Ihrem Unternehmen, den Inhalten und Verantwortungsbereichen der vakanten Stelle tatsächlich ernsthaft auseinandergesetzt hat.

Vollkommen tabu sind im Übrigen Fragen etwa zur Religions- und Parteizugehörigkeit. Bei Frauen ist zudem das Erkundigen nach einer möglichen Schwangerschaft oder generellem Kinderwunsch nicht erlaubt.

Bevor Sie dann das Vorstellungsgespräch beenden und sich höflich voneinander verabschieden, informieren Sie noch über das weitere Procedere und wann Sie sich mit einer Entscheidung zurückmelden werden.

Tipp 4: Die richtige Entscheidung zeitnah fällen

Direkt nach dem Vorstellungsgespräch sollten Sie sich am besten Notizen machen, damit Sie den Überblick bei mehreren Bewerbern nicht verlieren. Stellen Sie Ihre favorisierten Top-3-Kandidaten zusammen und wägen in Ruhe ab. Wenn Sie sich trotz Bedenkzeit immer noch unsicher sind und Sie sich für keine Person entscheiden können, laden Sie einfach nochmal zu einem zweiten Vorstellungsgespräch ein. In jedem Fall sollten Sie zeitnah eine Rückmeldung geben, wenn möglich innerhalb von 2 Wochen. Denn vergessen Sie nicht: jeder der Eingeladenen hat sich große Mühe gegeben, vorbereitet und sich Hoffnung auf den neuen Job gemacht. Ein langes „Zappeln-lassen“ wäre da einfach nur unfair.

Beitragsbild: Wavebreakmedia

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