Startup-Accelerator: Vorteile und Nachteile im Überblick

Accelerator

Es gibt eine Menge Accelerator-Programme für Startups. Alle versprechen, den Entwicklungsprozess eines jungen Unternehmens zu beschleunigen. Wie? Accelerator-Programme bieten Zugang zu Kapital, Infrastruktur, wertvollem Wissen und vielen Gleichgesinnten. Hört sich toll an, doch jede glänzende Medaille hat eine Kehrseite.

Was ist eigentlich ein Accelerator-Programm? In der Startup-Welt sind Accelerator Organisationen, die Startups einen Entwicklungsschub versprechen. „to accelerate“ meint im Englischen „beschleunigen“, „Gas geben“ oder „Fahrt aufnehmen“. Dazu bieten solche Programme jungen Unternehmen alles, was sie benötigen: Anschubfinanzierung (in Deutschland je nach Accelerator bis zu 50.000 Euro), Büros, Zugang zu Mentoring, Coaching und Netzwerken sowie eventuell Unterstützung bei PR und Marketing. Das alles nur für einen kurzen Zeitraum (meist einige Monate), aber dementsprechend intensiv. Normalerweise müssen sich Startups für ein Programm bewerben; die Hürden variieren . Die meisten Anbieter der Accelerator-Programmen erhalten im Gegenzug für ihre Leistungen Unternehmensanteile.

Die Vorteile von Startup Accelerator-Programmen

  • Kapital: Je nach Accelerator erhält ein Startup bis zu 50.000 Euro. Geld, das junge Unternehmen gerade in der Startphase gut gebrauchen können.
  • Infrastruktur: Büros, Möbel, Konferenzräume, Beamer, Kaffee, Obst – im Normalfall alles da im Accelerator. Das ist eine große Erleichterung für Gründer, die sich um wichtigere Dinge kümmern sollten.
  • Wissen: Accelerator-Programme versprechen bestenfalls Rat von unternehmerisch erfahrenen Mentoren und tiefgehendes und relevantes Know-how von kompetenten Experten. Wissen, dass man nicht einfach so im Internet recherchieren kann.
  • Netzwerk: Als Teilnehmer eines Accelerator-Programms lernt man in kurzer Zeit eine Menge spannender Leute kennen: Startup-Gründer, die die selben Herausforderungen teilen, potentielle Kooperationspartner, hochkarätige Experten, Investoren, Konzernvertreter, Berater, Branchenkenner etc. Bestenfalls knüpft man ein engmaschiges Netzwerk für ein ganzes (Business-)Leben. Die Qualität der Mentoren und Coaches ist deshalb meist ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl des Programms.
  • Feedback: Erhält man die Zusage für die Teilnahme an einem Accelerator-Programm ist das natürlich eine Bestätigung der bisherigen Arbeit. Im Laufe des Programms erhält man natürlich laufend wertvolles Feedback von allen Seiten. Schlaue Gründer hören zu und nehmen sich das Feedback zu Herzen.
  • Gleichgesinnte: In Accelerator-Programmen trifft man auf Gründer, die sich in einer ähnlichen Lebens- und Startup-Phase befinden. Man teilt Herausforderungen und Probleme, aber eben auch Lösungen, man inspiriert sich und hat bestenfalls eine Menge Spaß.
  • Druck: Die Zeit im Accelerator ist kurz. Die Erwartungen von allen Seiten hoch. Weiß man diesen Druck zu nutzen, kann er durchaus ein Vorteil sein, und der Antrieb, in kurzer Zeit viel zu erreichen. Aber nicht vergessen: Dauerstress ist nicht gut für die Gesundheit. Deshalb: Nach dem beschleunigen auch mal einen Gang runter schalten. Und damit wären wir auch schon bei den Nachteilen von Startup Accelerator-Programmen.

Die Kehrseite

  • Ablenkung: Meetings mit Mentoren, ausgedehnte Kaffeepausen mit anderen Gründern, abends Investorenmeeting – Accelerator-Programme sind Ablenkung pur. Ablenkung von der Arbeit am eigenen Startup. Es gilt, den Fokus zu behalten und Wichtiges von, eben, Ablenkung zu unterscheiden.
  • Abhängigkeit: Toll, wenn sich vielversprechende Investoren, Kooperationspartner, Mentoren mit einem treffen möchten. Im Normalfall heißt das aber eben auch, dass man seinen Terminkalender nach anderen richtigen muss.
  • Einflüsse von außen: Feedbacks und Meinungen können sehr hilfreich sein. Doch Einflüsse von außen können die eigenen Ideen und Visionen auch schnell in eine ungewollte Richtung lenken. Wo man eben noch an einem Strang gezogen hat, ist plötzlich Zweitracht im Team.
  • Anteile abgeben: Klar, als Gegenleistung verlangen die meisten Anbieter von Accelerator-Programmen Unternehmensanteile. 5 Prozent, 7 Prozent, das erscheint im Normalfall durchaus angemessen. Doch mehr sollte man als Gründer auf keinen Fall aus der Hand geben. Man verliert schnell die Kontrolle über sein „Baby“ und es erschwert spätere Finanzierungsrunden (denn dann hat man nichts mehr anzubieten).
  • Ortswechsel: Der perfekte Accelerator ist meist nie in der eigenen Stadt. Oft heißt es umziehen und das ist mit Aufwand verbunden.

Sind Accelerator-Programme empfehlenswert? Wie so oft lautet die Antwort: kommt drauf an! Startups sollten sich fragen, ob sie in ihrer jeweiligen Situation wirklich auf das Rundum-Wohlfühlpaket aus Infrastruktur, Netzwerk, Wissen und Kapital angewiesen sind und ob es die Unternehmensanteile Wert ist. Vielleicht benötigen Sie ja gerade ausschließlich Kapital oder sind ausschließlich auf zum Beispiel Digital-Know-how angewiesen – beides gibt es im Zweifelsfall woanders günstiger.

Welche Erfahrungen haben Sie Accelerator-Programmen gemacht? Was ist Ihre Meinung? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare.

Beitragsbild: Stepan Popov

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