Startup aus Bayern startet mit Real Madrid voll durch

Julien Denis

Die Sports Innovation Technologies GmbH & Co. KG, ein ganz junges Startup aus Erlangen, hat einen unterzeichneten Vertrag mit der offiziellen Fußballschule von Real Madrid in Deutschland in der Tasche. Zukünftig setzen die Spanier in ihren deutschlandweiten Fußballcamps das innovative Trainingsmodell namens eFUNiño ein. Im Interview mit GO AHEAD erklärt Gründer Julien Denis sein Konzept und wie der Deal mit den Königlichen zustand kam.

GO AHEAD: Hallo Herr Denis, Sie sind Geschäftsführer der Sports Innovation Technologies GmbH & Co KG, einem noch jungen Sporttechnologie-Startup. Sie haben die Trainingsmethode „eFUNiño“ entwickelt und sprechen auf Ihrer Website von „Fußball 4.0„. Würden Sie uns Ihre Konzepte, Produkte, Ziele näher erklären?

Julien Denis: Fußball 4.0 bezeichnet unsere Initiative zur Verbesserung von Training und Wettkampf im Fußball. Unser Schwerpunkt liegt hierbei im Kinder- und Jugendfußball. Wir entwickeln Trainingskonzepte, beraten Profivereine und Verbände und wollen die Wettkampfstruktur im Kinder- und Jugendbereich reformieren, da diese alles andere als kindgerecht ist. Zu große Felder, zu große Tore und zu wenig Ballaktionen sind nur einige Merkmale.

In dem Kontext kamen mein Co-Founder Matthias Lochmann (Prof. für Sportmedizin und DFB A-Lizenztrainer) und ich auf die Idee zur eFUNiño-Technologie. Hierbei werden Lichtreize ins Spiel gebracht. Über LED-Elemente an den Shirts sowie den Toren bringen wir unendliche Möglichkeiten, die Aufmerksamkeit und Spielintelligenz der Spieler zu fordern und zu fördern. Vor allem die immer mehr an Bedeutsamkeit gewinnende Umschaltphase wird trainiert. Das alles ohne lästiges Geschrei von einem Trainer. Die Spieler müssen selber wahrnehmen, verarbeiten, entscheiden und dann die Aktion ausführen. Gesteuert werden die Trainingsszenarien über eine Smartphone-App.

GO AHEAD: Wie ist die Idee entstanden, ein Unternehmen zu gründen? Bei der Sports Innovation Technologies GmbH & Co KG handelt es sich ja um eine Ausgründung aus der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg.

Julien Denis: Die Initiative kam von Matthias Lochmann, der mir die ersten Züge der Idee zeigte und mir erläuterte, welche Probleme damit adressiert werden. Ich kannte ihn aus meiner Zeit als HiWi an seinem Lehrstuhl, war zu der Zeit aber in der Medizintechnik tätig. Wir haben gemeinsam gesehen, dass es eine technologische Lösung gibt, einen Need und einen Markt. Da haben wir uns entschlossen das Projekt als Gründung umzusetzen. Es war aber klar, dass es einen CEO braucht – und da sind wir auf die Finanzierungssuche gegangen, um eine Stelle für mich zu schaffen. So kam die Gründung zustande.

War es für Sie immer eine Option Unternehmer zu werden? Wie schmeckt das Unternehmerleben?

Julien Denis: Nie! In meinem Umfeld gab es keine Unternehmer. Weder in meiner Schul- noch in meiner Studiumszeit kam ich mit dem Thema in Berührung. Alles war auf die klassische Industriekarriere ausgelegt. Bis ich dann Startups der Medizintechnik im Marktzugang beraten habe. Hier mit dem Schwerpunkt der Medizinproduktezulassung. Da habe ich eine große Leidenschaft für das Thema entwickelt.

Das Unternehmerleben genieße ich in vollen Zügen. Ich mag die Unabhängigkeit und die schnellen Entscheidungszyklen. Man ist zudem permanent von inspirierenden Persönlichkeiten umgeben. Energiesauger gibt es kaum.

Sind die Themen „Unternehmertum“ und „Gründung“ an den Universitäten präsent? Oder muss da noch mehr getan werden?

Julien Denis: Sie sind teilweise präsent, ja. Aber noch lange nicht in einem ausreichenden Maß. Vorlesungen und Seminare gibt es. Meist jedoch eher im wirtschaftswissenschaftlichen Bereich. Ingenieure, Mediziner und andere Disziplinen werden fast nicht erreicht. Die Kombination aus unterschiedlichen Kompetenzen facht das Feuer aber erst an.

Wissenschaftler haben in meinen Augen eine gesellschaftliche Verpflichtung, dass ihre Erkenntnisse auch umgesetzt werden. Stattdessen werden Publikationen über Publikationen geschrieben. Aber wer kümmert sich um die „Inverkehrbringung“ einer neuen Therapie oder eines neuen Algorithmus? Hier müssen Unis, Gründerzentren und Inkubatoren Geburtshelfer spielen und noch viel Erklärungsarbeit betreiben.

Es wird meines Erachtens auch falsch incentiviert: Gelder werden nach eingeworbenen Drittmitteln und Publikationen vergeben. Ausgründungen sind kein Anreiz für Wissenschaftler. Das müssen wir ändern!

Sie konnten jetzt einen königlichen Deal mit Real Madrid vermelden. Wie sieht der konkret aus? Wie ist der zustande gekommen?

Julien Denis: Real Madrid betreibt über seine Stiftung, die Fundación, Fußballcamps auf der ganzen Welt. In Deutschland lenkt Stefan Kohfahl aus Hamburg die Geschicke der Fußballschule. In einem Promovideo hat er mir aus der Seele geredet. Er sprach von Handlungsschnelligkeit, Spaß, Förderung und Umschaltspiel. Und dass die Fundación Real Madrid Clinics dies transportieren wollen. Da habe ich einfach zum Hörer gegriffen und angerufen.

Glücklicherweise hatte er im Vorfeld ein Video von uns auf Facebook gesehen und wusste grob über uns Bescheid. Wir kamen ins Gespräch, er lud mich nach Augsburg zu einem der Camps ein und wir machten einen Feldtest mit unserem Prototypen. Er war begeistert.

eFUNiño wird in die Ausbildung der fünftägigen Camps integriert. Wir statten im kommenden Jahr alle Camps (ca. 200 Stück pro Jahr) mit unserem System aus. So werden rund 17.000 Kinder das System nutzen. Für uns als kleines Startup eine riesige Chance!

Was steht als nächstes auf Ihrer Agenda? Was sind die nächsten Herausforderungen und wie wollen Sie die angehen?

Julien Denis: Voller Fokus liegt auf der Produktentwicklung. Die letzten Monate haben wir uns viel Feedback auf Hard- und Software erarbeitet. Alle Punkte wurden penibel aufgenommen und in die Spezifikationen überführt. Durch die eingesammelte Finanzierung können nun die nötigen Entwicklungen vorgenommen werden, sodass wir den Prototypenstatus verlassen können. Das ist die größte Herausforderung, weil wir natürlich möglichst alle Kundenwünsche berücksichtigen wollen.

Zum 1. Februar 2017 wollen wir in den Verkauf gehen und Ende dieses Jahres beziehen wir unser erstes eigenes Büro.

Wir werden Schritt für Schritt abarbeiten und uns nicht beirren lassen. Motivation dabei ist das großartige Feedback von den Pilotnutzern. Egal ob die Fundación Real Madrid Clinics oder Fußball-Bundesligisten wir Hertha BSC Berlin, TSG Hoffenheim und Hannover 96, alle brennen für eFUNiño. Das treibt unglaublich an!

Vielen Dank für das Interview!

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