„Investoren wissen einfach zu wenig über afrikanische Startups und afrikanische Gründer“

derricktawah

Dass Afrika ein riesiger, vielfältiger Kontinent ist und dementsprechend auch mit einer faszinierenden Tech-Gründerszene aufwarten kann, ist leider noch nicht überall angekommen. Wir möchten dazu beitragen, die Botschaft zu verbreiten. Bereits Ende 2014 beschäftigten wir uns mit dem Doku-Projekt Made in Afrika. Vor ein paar Wochen nun bot sich die Gelegenheit, das Thema erneut aufzugreifen, als uns Derrick Tawah kontaktierte. Mit Hilfe von GOAHEAD gründet der deutsch-kamerunische Entrepreneur gerade das Web-Portal NjangiList, das so etwas wie ein afrikanischer Mix aus LinkedIn und Startnext werden soll. Erfahren Sie mehr in unserem Interview.


Herr Tawah, worum geht es bei NjangiList? Und was bedeutet eigentlich der Name?

Wir möchten ein Netzwerk aufbauen, das afrikanische Entrepreneure, Startup-Gründer mit Investoren, Multiplikatoren und Studenten aus aller Welt zusammenbringt. Die Diaspora – also Afrikaner, die inzwischen in Europa, Amerika, Asien oder Australien leben – soll dabei auch beteiligt sein. Das Hauptziel besteht darin, afrikanische Startups zu Wirtschaftsmotoren zu machen und jungen Menschen vor Ort Zukunftsperspektiven zu bieten. „Njangi“ bedeutet soviel wie „Austausch“ und steht für eine bestimmte Art von Spar- oder Kreditverein. Alle Mitglieder geben einen bestimmten Beitrag in einen gemeinsamen Topf, der von einer Vertrauensperson verwaltet und schließlich reihum an jedes Mitglied ausgeschüttet wird. Njangi ist ein wichtiges Micro-Finance-Konzept und in einigen Ländern auch als Susu bekannt.

Warum wird NjangiList gebraucht?

Nun, das Wachstum in Afrika ist potentiell ist riesig, und es gibt auch eine Menge Startups sowie unzählige gute Ideen. Leider schaffen es aber viele Gründer nicht, genügend Kapital zu sammeln – oder überhaupt passende Arbeitskräfte zu finden. Wir wollen das ermöglichen.

NjangiList - eine Art LinkedIn für Afrika

NjangiList – LinkedIn meets Startnext meets Afrika 

 

Können Sie ein paar interessante Startups aus Ihrer Heimat nennen?

Zwei vielversprechende Gründungen aus Kamerun sind die Medizin-Startups CardioPad und GiftedMom. Cardiopad vermarktet ein spezielles Tablet, mit dem man Herzuntersuchungen durchführen und die Ergebnisse später drahtlos an spezialisierte Ärzte bzw. Kliniken übermitteln kann. Einsatzort sind vor allem abgelegene, ländliche Gegenden. Auch GiftedMom will Menschen in Gegenden mit schlechter Infrastruktur helfen: Schwangeren Frauen und Mütter erhalten wichtige medizinische Beratung per SMS. In Uganda fällt mir spontan Remit ein, das ist ein Finanzdiensleister. Er ermöglicht es Ugandern, die im Ausland leben, schnell und günstig Geld in die Heimat zu schicken – und zwar mit Hilfe einer „mobile wallet“. Letztes Beispiel: Angani. Das ist eine moderne IT-Firma mit Sitz in Kenia, die Cloud-Infrastruktur anbietet.

Warum haben oder hatten Investoren bei afrikanischen Startups Bedenken?

Viele Investoren wissen einfach zu wenig über afrikanischen Startups und afrikanische Gründer. Da kommen dann Fragen wie: Haben die genug Management-Knowhow? Wissen die, wie man skaliert? Sind die Firmen überhaupt vertrauenswürdig? Da gibt es diverse Vorurteile. Afrikanische Unis tun aber auch nicht viel, um die Situation zu verbessern. Es gibt kaum Austausch mit der Wirtschaft. Und die Studenten wissen oft nur wenig über potentielle Karrierechancen.

Njanglist befindet sich noch in der Betaphase. Was kann die Plattform momentan leisten?

Vorab: Die Plattform ist zwar schon online,  aber noch nicht offiziell gestartet. Was Startups jetzt schon tun machen können: Infos zur Geschäftsidee und zum Team einstellen, Stellen ausschreiben, Werbung freischalten und Veranstaltungen ankündigen. Privatpersonen können eine CV-Seite anlegen, sich mit anderen Mitgliedern vernetzen und natürlich neue Mitglieder einladen, Kommentare und Blogbeiträge schreiben, Startups bewerten, Bewerbungen verschicken und an Events teilnehmen. Weitere Features sind in Planung.

Welche Herausforderungen haben Sie bei der Projektumsetzung schon bewältigt – und welche stehen als nächstes an?

Die größte Herausforderung bestand natürlich darin, die Idee in eine solide Online-Plattform umzusetzen. Das hat geklappt. Aktuell beschäftige ich mich mit „Papierkram“, also mit der Wahl der Rechtsform und der Anmeldung von Njangilist. Danach wird es darum gehen, Förderprogramme und Berater zu finden und Vertriebswege auszubauen. Außerdem will ich mein Netzwerk erweitern und mich verstärkt um Marketing und PR kümmern. Das braucht aber alles Zeit. Momentan ist Njangilist nur ein Nebenjob.

Was ist denn gerade Ihr Hauptjob – und welchen Background haben Sie?

Hauptberuflich arbeite ich schon seit ein paar Jahren für ReachLocal in Berlin. Ursprünglich komme ich aus Mankon bzw. Bamenda. Das ist in Kamerun. In Benin (Nigeria) habe ich dann einen BSc in VWL gemacht. Und später einen MA in International Economics in Berlin. Besonders viel Erfahrung habe ich in den Bereichen Sales und Sales Support, Produktentwicklung und Online Marketing.

Möchten Sie zum Schluss vielleicht noch eine originär kamerunische bzw. afrikanische Gründerweisheit loswerden?

Aber gerne. In Kamerun sagt man: Wer Fragen stellt, muss akzeptieren, dass er Antworten bekommt. Und in ganz vielen Teilen Afrikas heißt es: Du hast drei Freunde auf der Welt – Mut, Verstand und Weisheit.

Herr Tawah, vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg mit NjangiList.

Das Interview führte Alexander Plaum.

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