Intrinsische Motivation: Erfolgsfaktor für Gründer

intrinsische motivation

Warum tun Sie das, was Sie tun? Warum stehen Sie morgens auf? Warum sind Sie Startup-Gründer? Oder warum wollen Sie einer werden? Falls die Chance auf ein dickes Bankkonto der hauptsächliche Grund ist, sollten Sie sich Ihr Tun nochmal überdenken.  

Stellen Sie sich vor, Sie stünden vor folgendem Problem: Sie erhalten eine Schachtel mit Reißnägeln darin und eine Packung Streichhölzer. Nur mit diesen Hilfsmitteln sollen Sie eine brennende Kerze an einem an der Wand hängenden Korkbrett befestigen, ohne dass das Wachs auf den Boden tropft. Wie würden Sie das anstellen?

Überlegen Sie vielleicht ein Streichholz anzuzünden, etwas Kerzenwachs zu schmelzen und die Schachtel an der Wand festzukleben? Auf diese Idee kommen viele Menschen intuitiv, wenn sie mit dieser Aufgabe konfrontiert werden. Nur funktioniert das nicht!

Auf die richtige Lösung kommen die meisten erst nach fünf bis 10 Minuten. So geht es: Leeren Sie die Schachtel mit den Reißnägeln, stellen Sie die Kerze in die Schachtel, befestigen Sie die Schachtel mit den Reißnägeln am Korkbrett und zünden Sie die Kerze mit den Streichhölzern an. Eigentlich ganz einfach.

Das „Kerzenproblem“ ist ein kognitiver Leistungstest, der auf den deutschen Psychologen Karl Duncker zurückgeht. Der Test bringt „funktionelle Fixiertheit“ zum Vorschein. Die Schachtel wird lediglich als Mittel der Aufbewahrung für die Reißnägel wahrgenommen, nicht aber als Teil der Lösung.

Was aber hat das Kerzenproblem nun mit Motivation zu tun? Nun, Sam Glucksberg (heute Psychologie-Professor in Princeton) führte eine Reihe weiterer Experimente durch, die auf dem Kerzenproblem aufbauen. Er bot Test-Teilnehmern Geld, um sie zu motivieren, das Problem schneller zu lösen. Entgegen den Erwartungen brauchten die durch Geld motivierten Teilnehmer aber im Schnitt etwa 3,5 Minuten länger als eine Kontrollgruppe.

Bei einem weiteren Experiment änderte Glucksberg den Test ab. Er platzierte die Reißnägel außerhalb der Schachtel und umging so die „funktionelle Fixiertheit“. Das Problem war jetzt sehr einfach zu lösen – und bei diesem Test schnitt eine mit Geld motivierte Gruppe sehr viel besser ab als eine Kontrollgruppe.

Diese Tests werden seit fast 40 Jahren immer wieder mit ähnlichen Ergebnissen wiederholt und zählen zu den zuverlässigsten Forschungsergebnissen in der Psychologie.

Intrinsisch motiviert = bessere Leistungen bei kreativen Tätigkeiten

Was lernen wir daraus? Bei Routinetätigkeiten, einfachen Aufgaben, die wenig Kreativität erfordern, haben externe Anreize wie Geld eine positive Wirkung. Geht es aber um die Lösung kreativer Probleme, können sich solche Anreize sogar negativ auswirken.

Startup-Gründer sehen sich jeden Tag mit Herausforderungen konfrontiert, die Kreativität erfordern. Wollen sie dabei Spitzenleistungen bringen, ist eine extrinsische Motivation (Status, Geld) kontraproduktiv. Ist eine Gründerin intrinsisch motiviert (Neugierde, Wissensdrang, inneres Bedürfnis) steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie ein gutes Ergebnis erzielt. Diese wissenschaftliche Erkenntnis gilt natürlich nicht nur für die Gründer selbst, sondern auch für Mitarbeiter. Einen kreativen Softwareentwickler mit Bonuszahlungen motivieren zu wollen, ist deswegen vielleicht keine gute Idee.

Was halten Sie von diesen Ergebnissen? Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht? Was treibt Sie an? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!

Beitragsbild: XiXinXing

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