„Jedes Gespräch mit Personalverantwortlichen zeigt uns, dass IT-Nachwuchskräfte stark umworben werden“

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get in IT ist eine Onlineplattform, die sich speziell an Young IT Professionals und Absolventen IT-naher Studiengänge richtet. Auf der Messe Zukunft Personal 2016 konnte Geschäftsführer Rainer Weckbach mit seinem Geschäftsmodell im Founders Fight Club überzeugen. Im Interview mit Go AHEAD sprechen wir über die Idee hinter get in IT, aktuelle HR-Trends und die Herausforderungen bei der Rekrutierung von IT-Nachwuchskräften.

GO AHEAD: Hallo Herr Weckbach, bei der Messe Zukunft Personal 2016 konnten Sie mit Ihrem Geschäftsmodell im Founders Fight Club überzeugen. Was ist das für ein Format? Und wie sieht Ihr so schlagkräftiges Geschäftsmodell aus?

Weckbach: Der Founders Fight macht aus dem klassischen Startup-Pitch ein unterhaltsames Battle-Format. Um sich bei den verbalen Duellen im Boxring zu behaupten, braucht man auf jeden Fall eine gute Vorbereitung. Ich habe das erste Mal an einem solchen „Fight“ teilgenommen und mich sehr gefreut, dass wir uns gegen die harte Konkurrenz durchsetzen konnten. Den Sieg haben wir natürlich im ganzen Team gefeiert.

Offensichtlich hat der klare, vertikale Ansatz, den wir mit unserem Geschäftsmodell verfolgen, überzeugt: Mit get in IT haben wir 2013 die erste Onlineplattform gestartet, die sich speziell an Young IT Professionals und Absolventen IT-naher Studiengänge richtet. Mittlerweile haben wir uns eine große Reichweite und Vertrauen in dieser Zielgruppe erarbeitet, der wir in der kritischen Phase des Berufseinstiegs und der Arbeitgeberwahl Orientierung bieten. Da wir den Arbeitgebern damit das richtige Umfeld bieten können, den IT-Nachwuchs zu erreichen, sind unsere Recruiting- & Employer Branding-Lösungen sehr gefragt. Das hat uns auch die positive Resonanz auf der Fachmesse nochmal bestätigt.

Was gibt es ansonsten von der Zukunft Personal zu berichten? Wie funktioniert „Messe“ für Sie als noch einigermaßen junges Startup? Und: Welche Trends beobachten Sie im Bereich HR?

Weckbach: Zugegeben, „HR“ steht nicht unbedingt für die großen Innovationen im Unternehmen. Auf der anderen Seite jedoch werden die HR-Verantwortlichen von den anderen Fachbereichen nicht optimal unterstützt, was eine adäquate „Personalarbeit“ sehr schwierig macht. Wir stellen jedoch fest, dass immer mehr Unternehmen verstehen, wie wichtig es ist, neuartige Wege zu gehen, um sich im „War for Talents“ durchzusetzen und zukunftsfähig zu bleiben.

Im Rahmen der Leitmesse Zukunft Personal hervorzuheben ist deshalb aus meiner Sicht  Startup-Village. Im Vergleich zum letzten Jahr wurde es nicht nur prominenter positioniert, sondern es ist auch deutlich gewachsen. In diesem kleinen „Silicon Valley“ können sich die Besucher über neue Technologien und innovative Recruiting Wege informieren – und das aus erster Hand.

Die größten Trends und Herausforderungen, vor denen Personaler aktuell stehen sind einerseits technischer Natur. Viel diskutiert werden etwa Automatisierung (z.B. der Einsatz von Bots im Bewerbungsprozess) und Mobile Recruiting. Auf der anderen Seite ist eine zielgruppengerechte und authentische Ansprache unverzichtbar, wenn man High Potentials erreichen und von sich überzeugen möchte. Für eine positive Candidate Experience reicht es in meinen Augen nicht aus, die neuesten Tech-Tools zu verwenden. HR-Prozesse können durch IT optimiert werden – Kommunikation nur durch den Menschen.

Gibt es den vielbeschriebenen „War for Talents“ denn tatsächlich? Oder ist der mediengemacht?

Weckbach: Der Branchenverband Bitkom hat erst kürzlich aktuelle Zahlen zum IT-Arbeitsmarkt veröffentlicht und 51.000 offene Stellen für IT-Spezialisten identifiziert – das sind fast 10.000 mehr als im Vorjahr! Laut Bitkom beklagen ganze 70 Prozent der ITK-Unternehmen einen Fachkräftemangel. Es hängt jedoch nach unserer Erfahrung stark davon ab, welche Talente die Unternehmen suchen.

Von einem flächendeckenden Fachkräftemangel in Deutschland würde ich daher nicht sprechen. Doch dass gerade Informatiker in einer von zunehmender Vernetzung und Digitalisierung geprägten Wirtschaft eine Sonderrolle einnehmen, ist offensichtlich. Jedes Gespräch mit Personalverantwortlichen aber auch mit den Studierenden selbst zeigt uns, dass IT-Nachwuchskräfte stark umworben werden. Denn der direkt einsatzbereite IT-Spezialist mit 10 Jahren Berufserfahrung ist nun mal selten.

Sie haben ja eine Studie zu der Frage durchgeführt, worauf  IT-Nachwuchskräfte bei der Berufs- und Arbeitgeberwahl Wert legen. Was sind die wichtigsten Ergebnisse? Wo sehen Sie die größten Baustellen auf Seite der Unternehmen? Und welche Herausforderungen gibt es speziell für Startups?

Weckbach: Das stimmt. Mit der Studie „get started“ haben wir im letzten Jahr zum ersten Mal die Einstellung der jungen IT-Arbeitsmarktgeneration unter die Lupe genommen. Das haben wir nun wiederholt. Um wissenschaftlich einwandfrei unterwegs zu sein, arbeiten wir mit Prof. Peter M. Wald von der HTWK Leipzig zusammen. Das Ergebnis ist eine der europaweit größten wissenschaftlich begleiteten Studien in der Zielgruppe der IT-Absolventen und Young Professionals mit bis zu 2 Jahren Berufserfahrung. In diesem Jahr haben sich 1.050 IT-Studierende, Azubis und Young Professionals an der Studie beteiligt. So liefern wir dem HR-Umfeld ein repräsentatives Bild davon, mit welchen Erwartungen und Wünschen diese so begehrte Kandidatengruppe auf den Arbeitsmarkt strebt.

Verfestigt hat sich der Eindruck aus dem letzten Jahr, dass junge IT-Talente im Gegensatz zu vielen Altersgenossen aus anderen Berufsfeldern weniger eine vergleichsweise frühe und steile Karriere im Blick haben, sondern viel mehr auf die Entwicklung ihrer Fachkompetenz achten. Ein konkreter Tipp für HR-Verantwortliche, der sich klar aus den Studienergebnissen ergibt, ist, dass der Begriff „Karriere“ im Rahmen von Employer-Branding-Aktionen oder auch bei der Direktansprache mit Vorsicht zu benutzen ist. Die im Unternehmen verwendeten Technologien und Frameworks sind dagegen wichtige Schlüsselbegriffe, nach denen IT’ler suchen und mit denen sie überzeugt werden können.

Für Startups sind diese Ergebnisse insofern spannend, als dass sie mit gezielten Einstiegsprogrammen, die sich speziell an IT-Berufseinsteiger richten, auf sich aufmerksam machen können. Mit einer professionellen Begleitung durch erfahrene Fachkräfte können sie der Erwartungshaltung junger IT’ler entgegenkommen, die nicht gerne ins kalte Wasser springen, sondern zielgerichtet an ihre neue Aufgabe herangeführt werden möchten. Dies hat unsere Folgestudie nachhaltig untermauert. Das Whitepaper mit allen Ergebnissen kann übrigens kostenlos angefordert werden unter www.get-in-IT.de/whitepaper.

Wie sieht Ihre Arbeitskultur aus? Was tun Sie, um Talente zu finden und zu binden?

Weckbach: Wir leben eine offene Arbeitskultur, in der Duzen, der Austausch auf Augenhöhe und das Einbringen eigener Ideen für uns selbstverständlich mit dazu gehört – vom „Chefsessel“ bis zum Werkstudenten. Durch unsere noch überschaubare 15-köpfige Teamgröße arbeiten wir bereichsübergreifend eng zusammen. Und das nicht nur am Schreib-, sondern auch am Kickertisch.

Alle Entwickler haben wir über unseren eigenen Talentpool identifiziert, angesprochen und eingestellt. Wenn wir selbst IT-Talente suchen, ist das immer eine sehr schöne Möglichkeit, die Seiten zu wechseln und unser Recruiting-Tool aus der Kundenperspektive zu nutzen. Neben unserem eigenen Netzwerk und dem engen Kontakt zu Hochschulen nutzen wir darüber hinaus klassische Jobboards, um unsere internen, nicht IT-bezogenen Stellen zu besetzen.

Was sind Ihre größten Baustellen? Wie wollen Sie Ihre Plattform weiterentwickeln?

Weckbach: Unser aktuell größtes Projekt ist der Launch, Auf- und Ausbau der neuen Plattform get in Engineering. Nachdem wir uns in unserem vertikalen Ansatz bestätigt gesehen haben – auf Kandidaten- und Kundenseite und zuletzt durch den Ausstellerpreis im Start-up Village – lag der Schluss nahe, dieses Prinzip auf eine weitere gefragte Zielgruppe der Nachwuchskräfte zu übertragen: Die Absolventen und Young Professionals aus dem Ingenieurwesen.

Vielen Dank für das Interview!

1 Kommentar zu “„Jedes Gespräch mit Personalverantwortlichen zeigt uns, dass IT-Nachwuchskräfte stark umworben werden“

  1. Verdienter Sieg!
    Am 28.01.2017 ist die nächste Founders Fight Night in München – mehr Infos folgen bald hier:
    fightnight.foundersfight.club
    Viele Grüße vom Founders Fight Club!

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