Crowdfunding – Alternatives Finanzierungsmodell für Ihr Startup

Wie funktioniert Crowdfunding? Was unterscheidet Crowdfunding von Crowdinvesting? Welche Folgen hat das Kleinanlegerschutzgesetz? Diese und weitere Fragen klärt Steuerberater Franz Schmid in seinem Gastbeitrag.

Als Existenzgründer gibt es vor allem eine Hürde die Sie nehmen müssen, um erfolgreich zu sein: die Finanzierung der Idee. Dass Banken im Regelfall aufgrund des Zahlungsausfallrisikos, das bei Jungunternehmern meist höher ist, keine Unterstützung sind, macht das Vorhaben noch schwieriger. Doch spätestens nach dem Ablehnungsschreiben lohnt sich ein Blick auf alternative Finanzierungsmodelle – allen voran Crowdfunding.

So funktioniert Crowdfunding

Der Prozess des Crowdfundings ist vor allem eines: unkompliziert. Denn Banken oder staatliche Institutionen sind hier außen vor. Der erste Schritt ist, dass Sie sich entsprechende Crowdfunding-Plattform heraussuchen (Empfehlungen finden Sie weiter unten), um den Initiatoren Ihr Projekt inklusive Businessplan vorzustellen. Sehen die Menschen hinter den Plattformen das Potenzial Ihrer Idee, dürfen Sie an die Crowd herantreten – achten Sie dabei darauf, dass Sie alle Register ziehen:

  • Punkten Sie mit einer interessanten Headline.
  • Beschreiben Sie Ihr Projekt möglichst ausführlich, damit keine Fragen offenbleiben.
  • Nutzen Sie Bilder, um Ihr Vorhaben zu veranschaulichen.
  • Laden Sie ein Pitch-Video hoch, dass Sie, Ihr Team, sowie Ihre Produkte und Dienstleistungen auf persönliche Art und Weise präsentiert.

Vorab müssen Sie natürlich eine Finanzierungssumme festlegen. Dabei entscheidend: Nur, wenn diese Summe über die Investitionen der User zusammenkommt, wird sie tatsächlich ausgezahlt.

Crowdfunding oder doch Crowdinvesting?

Eine wichtige Frage beim Crowdfunding: Was haben die Investoren davon, wenn Sie Ihnen Geld zur Realisierung Ihres Projektes geben? Die Antwort darauf, sind entsprechende „Belohnungen“, die Sie sich vorab überlegen. Diese Gegenleistungen haben jedoch keinen finanziellen, sondern eher einen persönlichen Wert – exklusive Erstzugänge, Fan-Shirts oder andere nette Kleinigkeiten sind ein passendes Dankeschön.

Ganz anders geht es da beim Crowdinvesting zu, das zwar ähnlich klingt, aber einen finanziellen Gegenwert erwartet, beispielsweise in Form von Zinsen oder Beteiligungen an Ihrem Unternehmen. Die attraktivere Gegenleistung wird dafür jedoch meist mit einer höheren Investitionsbereitschaft (meist im Millionenbereich) belohnt.

Die Vorteile auf einen Blick – warum sich Crowdfunding lohnt

Aus Investorensicht geht es beim Crowdfunding also vor allem darum, junge Gründer zu stärken, indem kleine Summen „gespendet“ werden. Es ist also eher ein moralischer Akt, der mit einem guten Gefühl verbunden ist.

Sie als Gründer profitieren von dieser Bereitschaft zu investieren auf vielfältige Art und Weise:

  • Sie gelangen schnell und unkompliziert an frisches Kapital. Die Summe geht nach erfolgreichem Abschluss innerhalb weniger Tage bei Ihnen ein.
  • Die enge Bindung zur Community kann wertvolles Feedback für Sie bereithalten, da Sie auch nach der Crowdfunding-Kampagne mit den Usern in Kontakt bleiben können.
  • Ist das Produkt oder die Dienstleistung verfügbar, haben Sie im Idealfall bereits erste Käufer beisammen, die für das erste finanzielle Grundrauschen sorgen.

Achtung: das Kleinanlegerschutzgesetz und seine Folgen

Als Alternative zu klassischen Bankkrediten stellt sich natürlich die Frage nach entsprechenden Gesetzmäßigkeiten, die es in der Bundesrepublik zu beachten gilt. Tatsächlich hatte man Crowdfunding und Crowdinvesting lange Zeit nicht auf dem Schirm, weshalb Anbieter hier frei agieren konnten.

Mit dem sogenannten Kleinanlegerschutzgesetz ist das jedoch vorbei. Erhalten die Anleger als Gegenleistung Unternehmensbeteiligungen, Beteiligungen an Treuhandvermögen, Genussrechte und Namensschuldverschreibungen, gewinnabhängige Darlehen und Nachrangdarlehen sowie vergleichbare Anlagen, so gelten folgende Bestimmungen:

  • Jeder Investor muss ab einer Investitionssumme von 1.000 Euro und mehr eine Selbstauskunft abgeben.
  • Nur, wenn das freie Vermögen 100.000 Euro übersteigt, sind Investitionen über 1.000 Euro möglich – allerdings nur, wenn die Investitionssumme das doppelte Netto-Monatseinkommen gleichzeitig nicht übersteigt.
  • Investitionen sind außerdem mit 10.000 Euro pro Person und Jahr gedeckelt.
  • Aus Startup-Sicht sollten Sie bedenken, dass Sie jeder Kampagne ein sogenanntes Vermögensanlagen-Informationsblatt beilegen.
  • Ebenso gilt: Möchten Sie mehr als 2,5 Millionen Euro einsammeln, gilt Prospektpflicht – es handelt sich hierbei um ein Dokument, das von Juristen angefertigt werden muss, Ihre finanzielle Situation genau durchleuchtet und in der Erstellung 10.000 Euro und mehr kosten kann.

Bei all diesen Regeln gilt jedoch: Sie alle gelten nur für das Crowdinvesting, nicht für das Crowdfunding. Grund dafür sind die Finanzprodukte, die hier genannt werden (Beteiligungen, Darlehen etc.) – diese Gegenleistungen gibt es beim Crowdfunding nicht, weshalb das Kleinanlegerschutzgesetz in diesem Fall nicht greift.

Diese Plattformen bieten sich für die Finanzierung Ihres Vorhabens an

Sie sind bereit für Ihre erste Crowdfunding- oder Crowdinvesting-Kampagne? Dann schauen Sie sich die folgenden Plattformen an, die für Ihr Vorhaben perfekt geeignet sind:

Es ist nicht immer einfach, dem eigenen Start-up finanziell auf die Beine zu helfen – Crowdfunding und auch Crowdinvesting sind hier Wege, um es dennoch zu schaffen. Welche Punkte dabei wichtig sind, hat dieser Artikel gezeigt. Die folgende Checkliste fasst nochmal die wichtigsten Punkte zusammen. Im Zweifel lohnt es sich aber auf jeden Fall einen auf Crowdfunding und Crowdinvesting spezialisierten Berater aufzusuchen, um bei Ihrem Vorhaben auf Nummer sicher zu gehen.

  • Wählen Sie abhängig von Ihrem Projekt und den Finanzierungszielen Crowdfunding oder Crowdinvesting.
  • Schauen Sie sich die verfügbaren Plattformen an und wählen Sie Ihren Favoriten.
  • Präsentieren Sie Ihr Projekt in all seinen Details – nutzen Sie alle zur Verfügung stehenden Funktionen.
  • Bieten Sie attraktive „Belohnungen“ für Investoren.
  • Nutzen Sie das Kapital sinnvoll, um Ihr Startup zum Big Business zu machen.

Über den Autor

Steuerberater-Franz-Schmid

Mit über 20 Jahren Branchenerfahrung leitet Franz Schmid sein gleichnamiges Steuerbüro Franz Schmid in Jenbach in Tirol. Insbesondere Jungunternehmer liegen dem erfahrenen Steuerberater am Herzen. Eine umfassende und persönliche Betreuung seiner Klienten ist eines seiner Erfolgsrezepte.

Beitragsbild: wildpixel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.