„Internationalisierung und Wachstum sind zwei sehr große Themen bei uns“

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Click & Boat ist das Airbnb für Boote. Im Interview erklären die Gründer des Pariser Startups, Jérémy Bismuth und Edouard Gorioux, wie die Idee entstanden ist und wie sie Wachstum und Internationalisierung meistern. Außerdem geben Sie uns Tipps an die Hand, welche weiteren Startups der Sharing Economy wir im Blick behalten sollten.

GO AHEAD: Bitte stellen Sie uns das Konzept von Click & Boat kurz vor …

Jérémy Bismuth und Edouard Gorioux: Click & Boat ist eine Plattform für die Vermittlung von Bootsvermietungen zwischen Bootsbesitzern und Bootssuchenden. Auf der Webseite kann man weltweit Boote mieten und dabei zwischen verschiedenen Bootstypen auswählen – wie beispielsweise Segelboote, Motoryachten, Katamarane und Hausboote. Auch Leute ohne Erfahrung und Bootslizenz können hier ein Boot mieten, da viele der Boote mit Skipper verfügbar sind. Der Bootsvermieter kann sein Boot als kostenlose Annonce einstellen, mit Fotos und einer Beschreibung. Die Bootssuchenden können mit dem integrierten Nachrichtendienst so viele Bootsbesitzer kontaktieren, wie ihnen beliebt. So können alle Pläne, Fragen oder Wünsche direkt persönlich im Chat geklärt werden. Das Team von Click & Boat steht immer wieder beratend und unterstützend zur Seite, sodass beide Parteien mit einem guten Gefühl der Miete zustimmen können.

GO AHEAD: Wie ist die Idee entstanden, ein Airbnb für Boote zu entwickeln?

Wir sind beide leidenschaftliche Bootsfahrer und vor einiger Zeit sind wir darauf aufmerksam geworden, dass viele der privaten Boote sehr viele Tage im Jahr ungenutzt im Hafen liegen. Im Durchschnitt wird ein Boot nur zehn Tage im Jahr genutzt, jedoch sind die jährlichen Bootskosten immer gleich. So sind wir auf die Idee gekommen, eine Sharing-Economy-Plattform zu gründen. Mit Click & Boat können die Bootsbesitzer Geld verdienen, um die jährlichen Kosten besser zu bedienen und die Bootsfans können ihren Urlaub naturnah und aktiv unter freiem Himmel genießen.

GO AHEAD: Was waren in der Startphase die größten Herausforderungen? Und wie haben Sie die gemeistert?

Die größte Herausforderung in der Startphase war mit Sicherheit das Konzept ans Laufen zu bekommen. Wir beide waren von Beginn an mit Leidenschaft an diesem Projekt beteiligt, sodass Aufgeben keine Option war. Auch von den kleinen und großen Hürden, die ein jeder Gründer kennt, haben sich wir uns nicht unter kriegen lassen: Eine große Herausforderung war beispielsweise die Verhandlungen mit den Investoren – das war nicht immer einfach. Doch mit unserer Leidenschaft zu Booten und der 100-prozentigen Gewissheit, dass Click & Boat ein tolles Konzept ist, haben wir es immer wieder geschafft, uns zu motivieren und Energie in unser Startup zu stecken.

GO AHEAD: Sie haben mit Sailsharing einen Ihrer größten Konkurrenten übernommen. Wie bahnt man so etwas an? Wie läuft so eine Übernahme ab?

Der Übernahme von Sailsharing gingen viele lange Gespräche voraus. Klar, so eine Unternehmensübernahme ist schon eine große Sache und muss gut überlegt und ausgehandelt sein. Letztendlich haben wir uns mit dem Besitzer von Sailsharing aber so gut verstanden, dass wir ihn und noch einen seiner Mitarbeiter übernommen haben. Nachdem die Zusammenführung zwar schon vollbracht, aber die Neuigkeit noch nicht an der Öffentlichkeit war, dauerte es einige Wochen, um die Nutzer der Sailsharing-Plattform zu informieren und in unser Startup zu integrieren – natürlich nur unter Zustimmung der jeweiligen Nutzer. Das war viel Arbeit, aber im Endeffekt hat alles reibungslos geklappt. Das Click & Boat-Team war gut vorbereitet und konnte die Übernahme gut umsetzen. Nachdem online alles geregelt war, ging die Nachricht auch an die Presse und fand guten Zuspruch bei den französischen Journalisten.

GO AHEAD: Welche Herausforderungen bringen Internationalisierung und Wachstum mit sich? Wie managen Sie beispielsweise Ihr internationales Team? Arbeiten Sie remote friendly? Welche Tools nutzen Sie?

Internationalisierung und Unternehmenswachstum sind zwei sehr große Themen bei uns. Eine der größeren Herausforderungen ist, dass sehr viele unserer Nutzer kein Französisch sprechen und einige auch kein Englisch. Hier haben uns neue Technologien bei der Kommunikation sehr geholfen.

Eine weitere Herausforderung war und ist, passende Mitarbeiter zu finden: Wir wollten für unsere großen, wachsenden Märkte, wie Spanien, Kroatien, Italien und Deutschland Muttersprachler, damit sich jeder Nutzer bei uns bestens aufgehoben fühlt. Inzwischen ist unser Team sehr international und spricht neben Französisch und Englisch, auch Kroatisch, Italienisch, Spanisch und Deutsch.

Da unser Unternehmen noch so jung ist, wollten wir, dass alle Mitarbeiter an einem Ort arbeiten. Dies ist auch aufgrund unserer Arbeitsweise das Beste, da unsere Mitarbeiter teilweise zu zweit an einem Projekt arbeiten: Beispielsweise ein kroatischer Bootsbesitzer und ein deutscher Bootsmieter. Beide Seiten werden von dem jeweiligen Teammitglied betreut, welches die Sprache spricht, die dem Nutzer am Liebsten ist.

GO AHEAD: Sie sehen sich als Teil der Sharing Economy. Teilen ist Zeitgeist. Dennoch gibt es ja auch Kritik (Stichworte: Airbnb, Zweckentfremdungsverbot). Wie sehen Sie den Stellenwert, die Risiken und Chancen der Sharing Economy heute und in Zukunft?

Ich denke, die Sharing Economy birgt Potential für viele Menschen. Mit Airbnb hat sie einen Start gefunden und immer mehr junge Unternehmen bringen sich in dem Prozess des Teilens von Gütern ein. Dennoch können immer noch sehr viele Menschen mit dem Begriff „Sharing Economy“ nicht viel anfangen. Es ist definitiv noch eine Menge Aufklärungsarbeit notwendig. Somit denken wir, dass die Sharing Economy heute an einem spannenden Punkt steht – und die Ökonomie des Teilens in Zukunft noch mehr positives Potential für die globale Gesellschaft birgt.

GO AHEAD: Welche weiteren Startups der Sharing Economy können Sie uns empfehlen?

PaulCamper ist ein tolles deutsches Startup. Dort kann man private Wohnwagen mieten und nutzen. Es reiht sich somit in die Liste von Airbnb und Click & Boat ein. Ein aufstrebendes französisches Startup der Sharing Economy ist z. B. Koolicar. Hier kann man schnell und einfach private Autos mieten. Das Startup ist in vielen französischen Regionen vertreten. Bei BirdOffice wiederum kann man Büro- bzw. Besprechungsräume mieten. Das Startup ist unter anderem in Frankreich zu finden, hat jedoch auch ein paar Räumlichkeiten in anderen Städten Europas.

GO AHEAD: Wie steht es um die Gründerszene in Paris, in Frankreich? Was sind die spannendsten Projekte, Trends und Themen?

Die Startup-Kultur in Frankreich ist, wie in vielen anderen Ländern auch, sehr dynamisch. Vor allem Paris spielt dabei eine wichtige Rolle, da viele Unternehmen, ob jung oder alt, hier angesiedelt sind. So gibt es für Startups verschiedene Webseiten, wie z. B. L’Express-L’enterprise auf der die 200 Besten französischen Startups aus 2016 aufgelistet sind. Click & Boat ist dabei übrigens auf Platz 88 zu finden. In Frankreich spricht man, wenn es um Startup-Kultur geht, oft von „FrenchTech“. Kommenden Januar, 2017, wird Frankreich auch auf der Consumer Electronic Show (CES), in Las Vegas, stark vertreten sein.

Vielen Dank für das Interview!

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