„Betterspace will Partner innovativer, nachhaltiger Hotels werden“

Gerhard Weiß, Gründer Betterspace

Betterspace bietet intelligente Heiztechnik für die Hotellerie. Damit landete das junge Unternehmen bereits bei mehreren Businessplan-Wettbewerben auf dem Siegertreppchen. Im Interview erklärt Gründer Gerhard Weiß das Konzept, spricht über die Rolle von Betterspace bei der Energiewende, blickt zurück auf die Finanzierung der Startphase und gibt einen Ausblick auf kommende Herausforderungen.

GO AHEAD: Hallo Herr Weiß, Sie versprechen Hotels 31 Prozent geringere Heizkosten, zufriedenere Kunden und weniger CO2-Emissionen. Wie funktioniert Ihr Geschäftsmodell?

Gerhard Weiß: Seit Jahren sind hohe Energiekosten eines der am häufigsten angeführten Problemfelder in der Hotellerie. Hinzu kommt, dass Hotels in Deutschland im Jahr 2014 eine durchschnittliche Auslastung von nur rund 40 Prozent aufweisen konnten. Dennoch wurden viele Hotelzimmer durchgehend beheizt, da Hotelgäste und Hotelpersonal vergessen, beim Verlassen der Räume die Heizung herunterzudrehen. Dies steigert die Heizkosten der Hotelbetreiber und belastet die Umwelt durch unnötige CO2-Emissionen.

Um dieser Problematik entgegenzuwirken, haben wir die better.hotel Heizkörpersteuerung entwickelt. Mit der better.hotel Heizkörpersteuerung werden alle Heizkörper im Gebäude miteinander vernetzt und fortan automatisiert und vorausschauend gesteuert. Die Heizkörper nicht belegter Räume werden automatisch herunterreguliert und unnötiges Heizen verhindert. So werden die von Ihnen angesprochenen Heizkosten reduziert und CO2-Emissionen verringert. Durch die Tatsache, dass jederzeit eine angenehme Temperierung des Zimmers herrscht, wird außerdem das Wohlbefinden und somit die Zufriedenheit der Hotelgäste gesteigert.

Wie kommt Betterspace bislang in der Hotellerie an? Die Vorteile sprechen ja für sich. Welche Hürden gilt es zu überwinden!

Weiß: Bis jetzt ist das Feedback aus der Hotellerie sehr gut! Immer mehr Hotels versuchen seit Jahren ihre Energiekosten in den Griff zu bekommen. Wenn sie dabei noch ihr nachhaltiges Image steigern können und dafür Sorge tragen, dass sich der Komfort ihrer Gäste steigert – perfekt!

Die größte Hürde ist bis dato unsere noch fehlende Bekanntheit in der Hotelbranche. Dies versuchen wir jedoch aktiv durch positive Referenzen zu ändern und wir denken, dass wir hier auf einem guten Weg sind. Der offizielle Marktstart ist für Juni 2016 geplant, allerdings ist der sogenannte „Soft-Start“ in Form einer Pilotphase schon seit vergangenem Jahr im Gange und erste Hotels heizen bereits mit der better.hotel Heizkörpersteuerung.

Wie sehen Sie den Stand der Dinge in Sachen Energiewende? Wie und in welchem Maße kann Betterspace mit intelligenter Heizkörpersteuerung zu deren Gelingen beitragen?

Weiß: Unsere Heizkörpersteuerung wird die Energiewende nicht alleine stemmen und den Klimawandel aufhalten, das ist klar. Aber sie ermöglicht es Hoteliers einen Teil im Kampf gegen den fortschreitenden Klimawandel beizutragen. Der Klimawandel geht uns nämlich alle an. Privatpersonen und Unternehmen legen immer größeren Wert auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz – und auch immer mehr Hotels versuchen sich gegen den Klimawandel zu stellen. Mit unserer Technik bieten wir ihnen die Möglichkeit, ihr Handeln zu erweitern.

Wie ist die Idee zu Betterspace entstanden? Und wie hat sich das Team gefunden?

Weiß: Mein Kollege Siwanand Misara und ich haben uns im Vorfeld zu Betterspace bereits im Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik in Kassel mit dem Thema Energieeffizienz auseinandergesetzt. Dabei wurde uns die Relevanz von intelligentem Energiemanagement in Nichtwohngebäuden bewusst. Insbesondere in der Hotellerie waren zu diesem Zeitpunkt (2014) noch keine finanzierbaren, intelligenten Energiemanagementlösungen zu finden. Um diese Lücke zu schließen ist die Idee zu better.hotel entstanden.

Unsere Kollegen Christopher Müller und Benjamin Köhler konnten wir über den Inkubator des Science Park Kassel von der Idee überzeugen.

Sie konnten bereits bei mehreren Businessplan-Wettbewerben überzeugen. Welche Vorteile bringt aus Ihrer Sicht die Teilnahme an solchen Wettbewerben? Und wie findet man den richtigen für sein Startup?

Weiß: Gerade in einer sehr jungen Phase eines Unternehmens bringen Businessplan-Wettbewerbe jede Menge: Das Erstellen der Bewerbung gab uns die Möglichkeit, von vielen unterschiedlichen Perspektiven auf unsere Idee zu schauen. Dadurch haben wir alle sehr viel über unterschiedliche Unternehmensbereiche gelernt. Die Wettbewerbe sind außerdem eine sehr gute Gelegenheit, um Präsenz zu zeigen und an der eigenen Bekanntheit zu arbeiten.

Während allgemeine Wettbewerbe ein guter Start für Unternehmen sind, die Ihre Idee gerade erst konzipieren, sind branchenspezifische Wettbewerbe besonders interessant, um Bekanntheit in den für das Unternehmen relevanten Märkten zu erhalten.

Betterspace wird durch verschiedene Programme gefördert. Welche Tipps können Sie anderen Gründern zum Thema „Förderung“ geben? Wie findet man die passenden Förderprogramme? Welche können Sie empfehlen? Was sollte man bei der Bewerbung beachten?

Weiß: Besonders im Anfangsstadium ist es für junge Unternehmen schwer, sich zu finanzieren. Förderprogramme bieten aus unserer Sicht eine gute Möglichkeit, um die Durststrecke von der Idee bis zu den ersten Umsätzen zu überstehen. Gründerportale stellen oft detaillierte Informationen über mögliche Förderungen bereit und geben Tipps zur Bewerbung. Wir selbst haben das EXIST-Gründerstipendium erhalten, welches bis zu drei Teammitglieder für ein Jahr fördert und die Kosten für den Lebensunterhalt deckt. Für viele Gründer ist dies super hilfreich, um überhaupt an der Idee dranbleiben zu können. Bei der Bewerbung sollte man die Individualität und Abgrenzbarkeit der eigenen Idee besonders hervorheben. So sehen die Förderer das Potenzial und man hat bessere Chancen die Förderung zu erhalten.

Welche Vorteile bieten Fördergelder gegenüber anderen Finanzierungsformen?

Weiß: Das kann man pauschal schwierig sagen, das kommt ganz darauf an, welche Förderprogramme mit welchem alternativen Förderinstrument verglichen werden. Und außerdem haben Förderprogramme nicht ausschließlich Vorteile, sondern bringen auch gewisse Nachteile mit sich: Beispielsweise hinsichtlich der anfallenden Bürokratie oder der fehlenden Garantie, dass man ein Förderprogramm, für das man sich beworben hat, auch erhält, obwohl im Vorfeld ein gewisser Aufwand steht.

Welche Aufgaben stehen auf Ihrer Agenda? Was sind die nächsten Schritte für Betterspace?

Weiß: Unsere Vision ist es nicht nur die Heizkörper in Hotels intelligent zu steuern, sondern der Partner für innovative, nachhaltige Hotels zu werden. Dazu entwickeln wir gerade verschiedene Module, die Hotels bei der Verbesserung ihrer Energieeffizienz unterstützen und den Komfort der Hotelgäste steigern. Dazu gehört beispielsweise die intelligente Lichtsteuerung. Auch das Thema Zählereinbindung steht bei uns weit oben auf der Agenda. Denn wir glauben, dass die Energiewende nur dann erfolgreich gestemmt werden kann, wenn innovative Energieeffizienz-Produkte die oftmals heillos veraltete Technik in Gebäuden ablöst – und wir wollen dafür der Partner für Hotels sein.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.