Warum Sie einen Businessplan schreiben sollten

Sandeep S. Chhatwal

Der Businessplan ist schon oft totgeschrieben worden. Zu lang. Liest eh niemand. Staubfänger. Nicht mehr zeitgemäß. Warum es sich trotzdem für fast jeden Gründer lohnt, einen zu schreiben, erklärt Sandeep S. Chhatwal zum Auftakt seiner Gastbeitragsserie zum Thema. Chhatwal ist Gründer-Coach, Gutachter der NUK Neues Unternehmertum Rheinland, studierter Betriebswirtschaftler (MBA) sowie Rechtsanwalt. Business Pläne sind sein Daily Business.

Ein Businessplan ist ein Dokument, das die Ziele einer Unternehmensgründung beschreibt und den Weg dorthin skizziert. Er enthält sowohl den Stand der Dinge (Was wurde bisher unternommen?) als auch einen Ausblick auf die Ziele (Was soll unternommen werden?). Dabei werden alle maßgeblichen Aspekte der Gründung  beleuchtet: Von der Analyse des Marktes und des Wettbewerbs sowie der Zielgruppen über Marketing, Vertrieb und Preispolitik bis hin zu Stärken und Schwächen, Chancen und Risiken sowie einem Finanz-, Liquiditäts- und Realisierungsfahrplan.

Klingt nach viel Arbeit. Und ist es auch. Aber die Mühe lohnt sich. Aus verschiedenen Gründen:

Gute Gründe für Ihren Businessplan

  • Sie behalten Ihre To-dos im Blick
    Als Gründer gibt es eine Menge zu tun. Ein Blick auf die “klassische“ Kapitelstruktur eines Businessplans verrät schnell, mit welchen Themen man sich im Rahmen seiner Gründung unbedingt beschäftigen sollte. Was kann man abhaken? Wo gibt es noch Baustellen? Ihr Businessplan dient Ihnen als die perfekte To-do-Liste, mit der Sie den Überblick behalten. Ein Rat: Arbeiten Sie sich vom Anfang bis zum Ende durch die Kapitelstruktur: Der Aufbau eines Businessplans folgt einer gewissen Logik. Spätere Themen bauen in vielen Fällen auf früheren Kapiteln auf.
  • Sie stellen Ihre Ideen auf den Prüfstand
    Beim Schreiben müssen Sie vage Ideen konkretisieren und Ihr Gründungsvorhaben nüchtern – und kritisch! – auf Herz und Nieren prüfen. Sind Ihre Ideen umsetzbar? Wird sich das Ganze am Ende lohnen? Seien Sie ehrlich zu sich selbst – dann schaffen Sie ein robustes Fundament für Ihre unternehmerische Zukunft.
  • Sie finden leichter Geldgeber, Mitgründer, Mitarbeiter oder Kooperationspartner
    Jeder, der Zeit oder Geld in Ihr junges Unternehmen investiert, wird sich detailliert über Sie und Ihre Idee informieren wollen: Risiken wollen geprüft, Chancen bewertet werden. Ihr Businessplan liefert alle notwendigen Informationen und Zusammenhänge – und dient potenziellen Partnern als Entscheidungsgrundlage. Sie sehen: Ein Businessplan kann zu einem wichtigen Erfolgsfaktor bei der Gründung werden. Denn von der Überzeugungskraft Ihres Businessplans hängt maßgeblich ab, ob Sie Ihr Startkapital überwiesen bekommen oder nicht, ob Sie Ihren Wunschmitarbeiter begeistern können oder nicht, ob ein potenzieller Mitgründer das Team perfekt ergänzt oder nicht.
  • Sie nutzen den Businessplan als Controlling-Tool
    Keiner kann in die Zukunft sehen. Was bringt eine Finanzplanung über 5 Jahre, wie sie oft in Lehrbüchern propagiert wird? An dieser Stelle ist die Kritik am Businessplan sicherlich ein Stück weit berechtigt: Ob im Business oder im Privatleben, es passieren eigentlich immer unvorhergesehen Dinge. „Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen“, wusste schon John Lennon. Nichtsdestotrotz: Banken verlangen einen 3-Jahres-Plan. Wenn Sie also Geld von der Bank wollen, haben Sie eh keine Wahl. Und: Eine nicht zu optimistische Finanz- und Liquiditätsplanung – zumindest über ein bis zwei Jahre – wird Ihnen helfen, Kosten, zu erwartende Gewinne oder Investitionen mittels Soll-Ist-Vergleichen im Blick zu behalten. Hier lauern aus meiner Erfahrung viele Fallstricke: Zum Beispiel, weil Umsätze erst viel später fließen als kalkuliert und so Liquiditätsengpässe entstehen.
  • Holen Sie sich eine Dosis Motivation
    Beim Schreiben Ihres Businessplans merken Sie sehr schnell, wo Risiken lauern und wo sich Baustellen auftun. Die Auseinandersetzung, das Abarbeiten kann motivieren und Ihnen die Angst vor der Gründung nehmen. Kristallisiert sich beim Schreiben heraus, dass Ihr Konzept Hand und Fuß hat, motiviert Sie das erst so richtig loszulegen.

Überzeugende Argumente, wie ich finde, die Arbeit am Businessplan auf sich zu nehmen. Doch wie viel Arbeit macht so ein Businessplan eigentlich? Das werde ich immer wieder gefragt, und natürlich gibt es keine pauschale Antwort: Fangen Sie bei Null an und müssen Sie Ihre Geschäftsidee erst noch entwickeln – oder geht es vielmehr darum, Ihre Ideen zu Papier zu bringen? Haben Sie bereits wichtige Vorarbeiten erledigt, zum Beispiel Angebote für Versicherungen eingeholt oder Marktdaten recherchiert – oder warten Sie noch auf Dritte? Ist das Schreiben gerade Ihre Hauptbeschäftigung – oder können Sie sich nur hier und da abends etwas Zeit frei machen? Je nachdem kann es bis zur Fertigstellung Ihres Businessplans zwischen wenigen Wochen bis zu vielen Monaten dauern.

 

Welcher Weg zum Businessplan?

Viele Gründer fragen mich nach Businessplan-Tools – und versprechen sich durch vorgefertigte Textbausteine und Vorlagen eine Abkürzung. Meiner Meinung nach können solche Tools hier und da kleine Hilfestellungen und Inspiration bieten – tiefgehende Gedanken und Analyse können Ihnen solche Tools aber natürlich nicht abnehmen. Mein Rat: Anstatt sich auf IT-Tools zu verlassen, bauen Sie auf einen ehrlichen Freund, einen Coach oder einen Gründer-Kollegen als Sparringspartner, der Ihre Ideen hinterfragt, Ihnen unabhängiges Feedback gibt, der nachhakt und Ihnen hilft Struktur in Ihre Gedanken zu bringen.

In meiner Gastbeitrags-Serie hier im GO AHEAD Gründerblog werde ich versuchen, Sie Schritt für Schritt durch die wichtigsten Kapitel des klassischen Businessplans zu führen und dabei Ihr Sparringspartner zu sein. Als Gründer-Coach und Gutachter der NUK Neues Unternehmertum Rheinland beschäftige ich mich jährlich mit Dutzenden Businessplänen und spreche mit ebenso vielen Gründern. Deshalb weiß ich, welche Fragen immer wieder auftauchen und vor welchen Herausforderungen Gründer immer wieder stehen.

Im nächsten Beitrag wird es um die Entwicklung und Bewertung von Geschäftsideen gehen. Natürlich freue ich mich immer, mit Ihnen über die jeweiligen Themen hier in den Kommentaren zu diskutieren.

Zum Autor
RA Sandeep S. Chhatwal MBA ist Inhaber der RSC-Rechtsanwaltskanzlei und bietet Gründerinnen, Gründern und Startups die Symbiose aus Unternehmens- und Rechtsberatung. In Kooperation mit der Steuerberatungskanzlei Dipl. Kff. Ulrike Plogmann bietet RSC Mandanten eine ganzheitliche Sichtweise und berät zu allen betriebswirtschaftlichen, rechtlichen und steuerrechtlichen Fragestellungen.

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