Die Welt retten und trotzdem Geld verdienen: Das Konzept Social Startup

Das Konzept Social Startup

Unverbraucht, skalierbar, netzaffin, auf jeden Fall idealistisch, hoffentlich profitabel. Mit diesen Vokabeln lässt sich das besondere Gründungsmodell Social Startup ganz knapp zusammenfassen. Was en dé­tail dahintersteckt, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Startup versus Social Startup

Um zu erklären, was genau ein Social Startup ist, empfiehlt sich zunächst ein Blick auf die Definition des Oberbegriffes „Startup“. Dabei handelt es sich – nach Steve Blank und Bob Dorf – um ein “junge(s), wachstumsorientierte(s) Unternehmen auf der Suche nach einem nachhaltigen und skalierbaren Geschäftsmodell”. Der Bundesverband Deutsche Startups präzisiert und ergänzt diese Definition wie folgt: Die Organisation darf seit höchstens 10 Jahren aktiv sein und sollte über ein großes Innovationspotenzial verfügen. In den erweiteren Definitionen ist außerdem zu lesen, dass ein Startup in der Regel die Lösung für ein ganz bestimmtes Problem sucht und dabei sehr oft aufs Internet als Infrastruktur setzt.

Ein Social Startup ist nun eine Organisation, die sämtliche der gerade genannten Merkmale aufweist bzw. aufweisen kann, sich von den „normalen“ Neugründungen aber in einem wichtigen Punk unterscheidet: Es sollen nicht Business-orientierte Probleme gelöst werden, sondern gesellschaftliche. Ein Social Startup möchte zum Beispiel etwas gegen Umweltzerstörung tun. Oder für bessere Bildung und medizinische Versorgung. Dabei ist es demokratischen Werte, universellen Menschenrechten sowie ökonomischer und ökologischer Nachhaltigkeit verpflichtet.

Geld verdienen erlaubt

Trotz der idealistischen Ausrichtung dürfen und sollen auch Gewinne erzielt werden – wodurch sich ein Social Startup von klassischen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) oder gemeinnützigen Vereinen unterscheidet. Den ausgelagerten Wirtschaftsbetrieben solcher Organisationen kann ein Social Startup freilich ähneln. Eine weitere Verwandtschaft besteht zur Social Enterprise.

Ein Social Startup ist also ein „normaler“ Marktteilnehmer (ohne besondere Privilegien), bei dem ordentliche Umsätze und Profite wünschenswert, aber nicht Grund der Existenz sind. Der Betrieb kann auch mithilfe von Sponsoring und Crowdfunding am Laufen gehalten werden. Die hehren Ziele des Social Startups sind starke Argumente bei der Akquise von Finanzmitteln.

 

 

In der Praxis

Social Startups sind kein neues Phänomen. Auch im deutschsprachigen Raum konnte die Kultur des modernen Sozialunternehmertums in den letzten Jahren Fuß fassen, trotz Skepsis bei einigen traditionellen Ökonomen.

Prominente Beispiele für hiesige Social Startups sind die Aufforstungssuchmaschine Ecosia, das digitale AIDS-Schleifen-Projekt .hiv oder die aus dem gleichnamigen Verein hervorgegangene Viva Con Agua GmbH, die weltweit den Zugang zu sauberem Trinkwasser verbessern möchte.

Mit social-startups.de erscheint bereits seit 2012 ein Online-Magazin, das sich ausschließlich mit sozialem Unternehmertum beschäftigt. Die Wirtschaftswoche hat 2014 eine Liste der wichtigsten Finanzpartner für Social Startups zusammengestellt.

Von Alexander Plaum

Foto © 3pod

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