Didaktik und Informatik meets Business Angel und Bootstrapping: Ein Gespräch mit Christian Peters, Gründer der E-Learning-Firma Eductive.

E-Learning, also die Unterstützung von Lern- bzw. Lehrprozessen durch digitale Medien und Tools, ist einer der großen Zukunftsmärkte im Dienstleistungbereich. Studien gehen aktuell von zweistelligen jährlichen Wachstumsraten aus, insgesamt sollen in Europa schon mehr als 3.000 E-Learning-Anbieter aktiv sein. Einer davon ist Christian Peters, Gründer der Kölner Eductive GmbH. Im GoAhead-Interview verrät er, welchen speziellen Beratungssansatz seine Firma verfolgt – und wie deren ebenfalls spezielles Finanzierungs- und Business-Model zustande gekommen ist.

Herr Peters, die Eductive GmbH versteht sich als Full-Service-Dienstleister im Bereich Corporate E-Learning. Was genau verbirgt sich dahinter?

Christian Peters: Zunächst zum Corporate E-Learning Begriff: Der geht ja sehr weit, es gibt viele Bereiche, die mit Lernen zu tun haben. Das geht vom klassischen Schul- bzw. Hochschulsystem bis hin zu Organisationen und Unternehmen. Und da gibt es natürlich sehr unterschiedliche Anforderungen an Lernende und Lehrende. Wir konzentrieren uns bei Eductive darauf, Lernprozesse innerhalb von Unternehmen zu verbessern. In der Regel liegt der Fokus auf Mitarbeiterschulungen oder Compliance-Trainings. Full-Service heißt: Wir können E-Learning von A bis Z durchdeklinieren. Wir schauen uns an, was in einem Unternehmen aktuell gemacht wird – und für wen. Darauf aufbauend fragen wir: Welche Ziele sollen erreicht werden, wie definiert das Unternehmen eigentlich Lernerfolg? Dann erarbeiten wir didaktische und technologische Konzepte und gehen die konkreten Probleme direkt an. Wir überlegen, welche Medien geeignet sind: Texte, Simulationen, Computer-based Trainings. Wir befassen uns ausführlich mit Learning Analytics.

Wie sieht der E-Learning-Markt in Deutschland aus? Und was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Peters: Der E-Learning-Markt ist groß und wächst weiter. Leider werden in vielen Bereichen Dinge nicht zu Ende gedacht. Der Hochschulbereich ist oft sehr theoretisch. Bei den Agenturen liegt der Schwerpunkt häufig auf Didaktik oder Informatik. Firma A entwickelt also ein neues digitales Lernsystem, während Firma B einen neuen Lernprozess entwickelt. Was uns auszeichnet: Wir können beides! Meine Kollegin Maike Kappelhoff und ich haben Angewandte Kognitions- und Medienwissenschaft studiert, das ist quasi ein Mix aus Psychologie und Informatik. Wir haben Erfahrung im Uni- und im Freelance-Bereich. Wir arbeiten interdisziplinär, und das ist sinnvoll, denn E-Learning steht auch genau in der Mitte. Für den Lernenden beginnt gutes E-Learning mit mit einem klaren Interface-Design – einer der zahlreichen Faktoren, die sich positiv auf die Lernmotivation und die Lernprozesse insgesamt auswirken. Und natürlich kann man kann Lehrenden und Lernenden dann am besten helfen, wenn man auch Kenntnisse im Bereich Kognitions- und Medienpsychologie hat. Beim Lernen in Gruppen spielen sozialpsychologische Theorien eine Rolle. Kurzum: Wir bieten “the best of both worlds“ – und wir wollen neue E-Learning-Erkenntnisse in die Unternehmenspraxis bringen.

Das Eductive-Team

Das Eductive-Team: Christian Peters und Maike Kappelhoff


Bei der Gründung von Eductive im April 2015 haben Sie keine klassischen Förderprogramme genutzt, sondern Geld im privaten Umfeld gesammelt. Was hat Sie dazu bewogen – und wie hat der Prozess funktioniert?

Peters: Den klassischen Weg sind wir aus mehreren Gründen nicht gegangen. Zum einen ist Eductive kein klassisches Startup, das ein Einzelprodukt oder eine bestimmte Dienstleistung anbietet. Eductive kann auch nicht schnell skalieren. Venture Capital, Pitching-Runden – das funktionierte also nicht. Zum anderen wollen wir direkt loslegen und nicht lange auf Fördergelder warten. Verstehen Sie mich nicht falsch: Das Gründerstipendium ist eine gute Option, aber ich kenne auch Leute, die nach einem halben Jahr noch immer auf die erste Finanzspritze warten. So entstand dann die Idee, in meinem Privatumfeld nach Investoren zu suchen. Glücklicherweise gibt es dort diverse technik- und wirtschaftsaffine Menschen: Ich habe meine Idee vorgestellt, sie wurde verstanden und mit Begeisterung aufgenommen, ich bekam das Geld. So konnte ich die Förderung umgehen. Letztlich atmet Eductive aber doch Startup-Geist. Das Startup-Büro der Uni Duisburg-Essen hat uns mit vielen wertvollen Infos und Kontakten versorgt, dort haben wir auch mit dem Business Model Canvas experimentiert. Der Startplatz in Köln, wo wir aktuell unser Büro haben, hat uns ebenfalls beraten und vor allem bei den Investorenverträgen unterstützt. Im Prinzip sind wir ein Business-Angel-Bootstrapping-Hybrid: Da sind einerseits die Finanzmittel vom privaten Investor, andererseits das niedrige Betriebsbudget und die ganzen Agile- und Lean-Prinzipien.

Sie haben sich bei der Rechtsform gleich für eine (relativ teure) GmbH entschieden, nicht für eine GbR oder UG. Warum?

Peters: Das war tatsächlich eine zentrale Frage. Die GmbH habe ich letztlich gewählt, weil ich sofort mit einer angestellten Mitarbeiterin starten wollte, und weil Eductive schon im Moment der Gründung mit größeren Testkunden zusammengearbeitet hat – da wollte ich eine gewisse Rechtssicherheit haben, gerade auch bei Haftungsfragen. Die UG bzw. “kleine Gmbh“ war tatsächlich eine Weile im Spiel. Aber die gute Auftragslage war absehbar – 2016 wird vermutlich schon der Break Even erreicht, dann soll auch weiteres Personal eingestellt werden – und da wollte ich gleich eine vernünftige, langlebige Option wählen.

Herr Peters, besten Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Alexander Plaum

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