Aus dem Hörsaal in den Chefsessel: Gründen als Student

Gründen als Student

Neben Hausarbeiten, Vorlesungen und Klausuren ein eigenes Unternehmen gründen – wozu der Stress? Ganz einfach: Die Gründung während des Studiums bietet handfeste Vorzüge. Sie kann als Kick-off für die anschließende Karriere dienen, den Nebenjob ersetzen oder das Studium finanzieren. Sie wirft gleichzeitig aber auch ganz pragmatische Fragen auf: Muss ich mich als studentischer Gründer selbst versichern? Darf ich weiterhin BAföG beziehen?

Wer wäre nicht gern wie die Gründer von Space Walltet schon zu Studienzeiten mit dem eigenen Startup erfolgreich oder würde – um noch höher zu greifen – nicht am liebsten zwischen zwei Semestern selbst das nächste Facebook entwickeln? Abseits der Wunschvorstellung warten auf gründungswillige Studenten zunächst jedoch ganz reale Herausforderungen. Angefangen bei der Frage: Woher weiß ich, ob ich die nötigen Voraussetzungen mitbringe?

Keine Alleingänge! Für Studenten gibt es ein breites Beratungsangebot

Ein Startup kann man auch auf die Beine stellen, ohne über jahrelange berufliche Erfahrung zu verfügen. Damit mangelndes Praxiswissen und oberflächliche Markt- und Branchenkenntnisse aber nicht zu Fallstricken werden, müssen sie durch eine gute Beratung und fachkundige Ratschläge ausgeglichen werden. Um Studenten mit Ihren Gründungsideen nicht alleine zu lassen, haben viele Universitäten mittlerweile entsprechende Angebote: So gibt es an der Universität Passau beispielsweise eine Gründungssprechstunde , die Universität Konstanz kann den Campus Startup Konstanz vorweisen und die Universität Oldenburg versteht sich gleich als komplette Gründerinnen- und Gründeruniversität. Zudem existieren auch übergeordnete Netzwerke wie das Hochschulgründungsnetzwerk HOCHSPRUNG für die Region Bayern. Und dann gibt es natürlich auch noch studentisch organisierte Konferenzen rund ums Thema Entrepreneurship – zum Beispiel das IdeaLab!. Der Umfang der Beratung, den Studenten in Anspruch nehmen sollten, variiert je nach Gründungsvorhaben. Wer sich lediglich im Nebenjob als Hochzeitsfotograf selbstständig machen möchte, muss weniger Aufwand betreiben als Gründer, die auf Investoren angewiesen sind und einen Businessplan zu schreiben haben.

Selbstständig und familienversichert – geht das?

Grundsätzlich können Studenten unter 25 Jahren auch als Gründer familienversichert bleiben. Allerdings dürfen sie dann ihre Selbstständigkeit nur im Nebenberuf ausüben. Wer mehr als 20 Stunden pro Woche in Eigenregie arbeitet, erfüllt diese Bedingung nicht mehr. Auch beim Einkommen gibt es eine Obergrenze und die liegt schon bei 405 Euro. Wer mehr verdient, muss sich selbst versichern – kann dann aber einen günstigen Studententarif in Anspruch nehmen.

 

Gründen und BAföG

Der Umsatz, den Studenten im Zuge Ihrer Selbstständigkeit erzielen, hat nicht nur Auswirkungen auf ihre Versicherung, sondern spielt auch im Zusammenhang mit BAföG eine Rolle. Denn wer mit BAföG bezuschusst wird, der darf monatlich höchsten 323 Euro dazuverdienen. Verdient ein Student mehr, verringern sich seine monatlichen Bezüge. Zudem ist an BAföG auch die Bedingung geknüpft, dass das Studium konsequent und schnell durchgezogen wird. Geraten Studenten aufgrund ihrer Gründungstätigkeit im Studium deutlich in Verzug, erlischt ihr Anspruch auf BAföG ebenfalls.

Wie finanziert man ein studentisches Startup?

Studenten verfügen in den seltensten Fällen über hohes Eigenkapital, daher ist die Frage nach der Finanzierung eine zentrale. Und wer BAföG-Schulden angehäuft hat, hat es bei Banken zusätzlich schwer. Geschäftsmodelle wie das des Solopreneurs, der finanziell so unabhängig wie möglich gründet, können daher für Studenten reizvoll sein. Daneben gibt es aber auch Förderprogramme, die sich explizit an Hochschulabsolventen und Studenten richten, so zum Beispiel EXIST oder das bayerische FLÜGGE-Programm.

Gründergeist schnuppern

Für alle Studierenden, die sich ausführlicher mit dem Thema Entrepreneurship auseinandersetzen möchten, eignen sich studentische Gründungsinitiativen. Diese sind dazu gedacht, den Gründergeist unter Studenten zu befeuern und Kontakt zu Startups herzustellen. Deutschlandweit gibt es ca. 30 Vereine dieser Art, die unter dem Dachverband Gründermagnet zusammengefasst werden:

Gründungsinitiativen in Mecklenburg-Vorpommern

Gründungsinitiativen in Berlin

Gründungsinitiativen in Hamburg

Gründungsinitiativen in Sachsen

Gründungsinitiativen in NRW

Gründungsinitiativen in Hessen

Gründungsinitiativen in Rheinland-Pfalz

Gründungsinitiativen in Bayern

Gründungsinitiativen in Baden-Württemberg

Nicht vergessen zu studieren!

Die Kunst bei der Selbstständigkeit neben dem Studium liegt nicht zuletzt darin, das Studieren dabei nicht zu vernachlässigen. Leichter ist das Zusammenspiel von Gründung und Studium, wenn man sich nicht direkt zu hundert Prozent, sondern erst einmal im Nebenerwerb selbstständig macht. Wird das Pensum dennoch zu groß, können Sie eine Team-Gründung erwägen und Aufgaben delegieren. Wer sich dann Freunde ins Gründerteam holt, sollte sich jedoch darüber im Klaren sein, dass der beste Kumpel im Arbeitsalltag nicht immer eine Bereicherung ist.

Foto © gpointstudio

3 Kommentare zu “Aus dem Hörsaal in den Chefsessel: Gründen als Student

  1. Hallo,
    sein sehr spannender Artikel. In meinen Kursen merke ich, dass es immer mehr Studenten juckt, selbst etwas zu starten.

    Wahrscheinlich werde ich auch auf http://www.serial-entrepreneurhsip.de einen Artikel dazu veröffentlichen.
    Aber jetzt werde ich diesen Artikel erstmal teilen.

    Vielen dank dafür,

    Benjamin Michels

  2. Thomas Kemp

    Hallo Herr Michels,
    freut uns, dass Ihnen der Artikel gefällt. Vielen Dank fürs Teilen!

    Schöne Grüße

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