Gründungsexperten und Branchenkenner verraten uns ihr „Startup des Jahres 2014“

Das Jahr geht zu Ende und viele, viele Startups haben das Licht der Welt erblickt, einige sind „durch die Decke gegangen“, andere sind „in der Versenkung verschwunden“. Wir haben Experten aus der Gründerszene und Kenner ganz unterschiedlicher Branchen nach ihrem „Startup des Jahres 2014“ gefragt. Lesen Sie hier, welche Startups beispielsweise Ralph Christoph (Programmleiter der  Interactive Cologne und c/o pop), Inken Kuhlmann (Inbound Marketerin bei HubSpot) oder Christoph Räthke (Startup-Kolumnist bei Business Punk) im Jahr 2014 begeistern konnten und warum.

C3S – Alternative zur GEMA

 

„Es ist vielleicht kein Startup im klassischen Sinne, aber so außergewöhnlich, dass ich es hier unbedingt nennen muss: C3S. Die drei Cs stehen für ‚cultural‘, ‚common‘ und ‚collecting‘, das S für ’society‘. ‚Die C3S ist eine europäische Genossenschaft mit dem Ziel, als Verwertungsgesellschaft tätig zu werden‘, so die Selbsterklärung. ‚Es ist geplant sowohl musikalische Werke, die unter einer Creative-Commons-Lizenzen veröffentlicht wurden, als auch Werke, die unter keiner expliziten Lizenz stehen, zu verwalten.‘

Was hier einfach zusammengefasst wird, beschreibt ein in der Praxis hoch komplexes Unterfangen. Es geht um nicht weniger als eine Alternative zur seit über 80 Jahren staatlich legitimierten und häufig kritisierten Verwertungsgesellschaft GEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte). Wer sich auch nur ansatzweise mit dem Urheber- und Verwertungsrecht beschäftigt hat, wird die Dimension und Bedeutung der C3S sofort erfassen. Wenn das mal kein Startup des Jahres ist!“


 

Amorelie – Bringt Erotik-Shops raus aus der „Schmuddelecke“

 

<a title="twitter.com/lojanna" href="https://twitter.com/lojanna" target="_blank">Lea Weitekamp </a>betreut das Ressort Startups & Digital Business bei <a title="t3n.de" href="http://t3n.de/" target="_blank">t3n</a>

Lea Weitekamp betreut das Ressort Startups & Digital Business bei t3n

„In meinem Job laufen mir nahezu täglich spannende und vielversprechende Startups über den Weg. In Deutschland tut sich mittlerweile unglaublich viel, daher fällt die Auswahl nicht leicht. Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir in diesem Jahr aber Amorelie: Die Idee, das angestaubte Segment der Erotik-Shops aus der ‚Schmuddelecke‘ zu holen und in ein zeitgemäßes E-Commerce-Konzept zu überführen, das auch Frauen anspricht, ist so einleuchtend wie genial. Zudem hat Amorelie mit dem Gründerduo Lea-Sophie Cramer und Sebastian Pollok zwei engagierte und authentische Fürsprecher. Ich habe Amorelie im Frühjahr in Berlin besucht, und das Gesamtkonzept hat mich überzeugt.“


 

 lavaboom – kostenloser E-Mail-Provider mit Zero-Knowledge-Architektur

 

<a title="twitter.com/weidnerstefanie" href="https://twitter.com/weidnerstefanie" target="_blank">Stefanie Weidner</a> ist geschäftsführende Gesellschafterin der <a title="solutionspace.de" href="http://solutionspace.de/" target="_blank">Solution Space</a> Innovation GmbH und der Happy Space Technologies GmbH.

Stefanie Weidner ist geschäftsführende Gesellschafterin der Solution Space Innovation GmbH und der Happy Space Technologies GmbH.

„Für mich ist lavaboom das Startup des Jahres. lavaboom ein kostenloser E-Mail-Provider mit Zero-Knowledge-Architektur und End-to-End-Verschlüsselung. Wenn ich einen Brief per Post versende, erwarte ich, dass er ungeöffnet bei mir ankommt. Den gleichen Anspruch habe ich auch an meine E-Mails. Leider gibt es wenige Anbieter, die das als selbstverständlich ansehen. Noch mehr als der Dienst selbst begeistert mich allerdings Gründer und Geschäftsführer Felix Müller-Irion. Er ist Mitte 20 und steckt voller Energie. Und er bleibt immer freundlich und gelassen – egal was passiert. Das bewundere ich sehr. Als Team des Jahres küre ich ansonsten mein eigenes, also die Leute vom Solution Space – und hier ganz explizit Michael Köppen, unseren Barista & Happiness Manager.“


 

Dubsmash – Ein Riesenspaß

 

<a title="www.xing.com" href="https://www.xing.com/profile/SandeepSingh_Chhatwal?sc_o=mxb_p" target="_blank">Sandeep S. Chhatwal</a> ist als <a title="rsc-gruender.de" href="www.rsc-gruender.de" target="_blank">Rechtsanwalt</a> auf Wirtschaftsrecht sowie die Unternehmensberatung von nationalen und internationalen Startup Unternehmen spezialisiert.

Sandeep S. Chhatwal ist als Rechtsanwalt auf Wirtschaftsrecht sowie die Unternehmensberatung von nationalen und internationalen Startup Unternehmen spezialisiert.

„Mit der App Dubsmash (Mobile Motion GmbH ) können User kurze Videos und Audiospuren bekannter Zitate aus Film und Fernsehen über ihr Selfie legen. Dabei besticht Dubsmash durch seine simple Funktionsweise. Jeder kann hier ganz einfach ein Film-Zitat aussuchen und findet sich wieder. Die App ist ein Riesenspaß und eine tolle Geschäftsidee, was auch die aktuellen Download-Zahlen belegen.“


 

AppGuys – „2014 war unser Jahr“

 

Christoph Henkelmann

Christoph Henkelmann ist Informatiker, Musikwissenschaftler und Geschäftsführer bei TheAppGuys.

„Natürlich findet man seine eigene Geschäftsidee immer am spannendsten. Deswegen sind für mich die AppGuys das Startup des Jahres. Zum Glück handelt es sich nicht um reine Selbstverliebheit, wir hatten einen wirklich guten Lauf mit tollen Software-Projekten: Pünktlich zur WM haben wir zum Beispiel die Betreuung der Apps von kicktipp.de übernommen, und wir waren Co-Entwickler der neuen Chefkoch-Apps. Auch zu Eigenkreationen wie dem Retro-Bastelwerkzeug Depixelizer gab es super Feedback. Beim Kölner Startup-Wettbewerb haben wir es ins Finale geschafft und so einen Messestand auf der dmexco gewonnen. Die Presse hat auch regelmäßig angeklopft. 2014 war unser Jahr.“


 

Canva – Grafiken im Handumdrehen

 

<a title="twitter.com/inboundinken" href="https://twitter.com/inboundinken" target="_blank">Inken Kuhlmann</a> ist Inbound Marketerin (DACH-Region) bei HubSpot. Ihre Erfahrungen und Tipps teilt sie regelmäßig auf dem <a title="blog.hubspot.de/marketing" href="blog.hubspot.de/marketing" target="_blank">HubSpot Blog</a>.

Inken Kuhlmann ist Inbound Marketerin (DACH-Region) bei HubSpot. Ihre Erfahrungen und Tipps teilt sie regelmäßig auf dem HubSpot Blog.

„Mein absoluter Favorit des Jahres ist Canva. Das Tool erleichtert mir fast täglich meine Arbeit – für mich ein ausschlaggebendes Argument, eine neue Applikation zu nutzen. Mit Canva kann ich in wenigen Minuten einfache Grafiken für Blog, Website und Social Media erstellen. Dank vieler kostenloser Vorlagen brauche ich mir keine Sorgen um irgendwelche Nutzerrechte zu machen, und kann mein Design ganz einfach überall verwenden. Weil ich so begeistert von dem Design-Tool bin, habe ich sogar schon einen Artikel darüber verfasst. Man kann sagen: Ich Canva-Fan!“


 

meine-spielzeugkiste.de – Aus der Höhle der Löwen

 

Eric Weber

Eric Weber leitet das SpinLab – The HHL Accelerator, ein 6-monatiges Accelerator-Programm für technologieorientierte, skalierbare Gründungen in Leipzig und promoviert im Bereich Entrepreneurship.

„Mein Startup des Jahres ist meine-spielzeugkiste.de (Circus Internet GmbH) aus Berlin, das für mich ganz klar einer der Gewinner der diesjährig erstmals ausgestrahlten TV-Sendung ‚Die Höhle der Löwen‘ ist. Nicht nur, weil man mit Frank Thelen und Jochen Schweizer zwei super Investoren und inhaltliche Berater gefunden oder weil man 300.000 Euro eingesammelt hat, sondern vor allem, weil man so viel Aufmerksamkeit für das Startup gewinnen konnte. Das wäre sonst nur schwer möglich gewesen. Außerdem konnte meine-spielzeugkiste.de auch über Companisto weiteres Kapital (i.H.v. 355.300 Euro) einsammeln und sich auch dort gut medial platzieren. Ich hatte die tolle Gelegenheit, das Team um den HHL Alumnus Florian Metz zur ‚HHL Startup Career Fair‘ persönlich kennenzulernen – und bin von den Leuten und dem Erreichten tief beeindruckt!“


 

Allryder, Cashboard, Soulbottles

 

Ben Paul

Ben Paul hat sein Studium an einer Elite-Uni abgebrochen und ist seit nun 1,5 Jahren in der Berliner Startup-Szene unterwegs. Er arbeitet mit dem IdeaCamp zusammen, hilft Gründern produktiver zu arbeiten und hält Vorträge über alternative Bildungswege. Auf seinem Blog anti-uni.com schreibt er für eine kleine Armee junger ambitionierter Menschen über sein Leben als „Student ohne Uni“.

„Ich habe dieses Jahr viele spannende Startups gesehen. Ehrlich gesagt habe ich drei Lieblinge, die mir spontan einfallen. Da wäre einmal Allryder, die die großartige Vision haben, den Verkehr in Städten smarter zu machen. Cashboard ist ein spannendes Fintech-Startup, das wirklich Potential hat und eine spannende Sache für Privatanleger ist. Und zu guter letzt feiere ich Soulbottles sehr, die dieses Jahr ihr Team stark vergrößert und einfach ein geiles Produkt, eine geile Message und eine geile Unternehmenskultur haben.“


 

Foodist – Gourmet-Küche zu erschwinglichen Preisen

 

Dr. Rebecca Belvederesi-Kochs

Dr. Rebecca Belvederesi-Kochs ist Fachbuchautorin von „Erfolgreiche PR im Social Web“ (Galileo Press) und Senior Consultant bei Social Media Aachen.

„Mein Startup des Jahres: Foodist. Warum? Gourmet-Küche zu erschwinglichen Preisen anzubieten, liegt voll im Trend. Das Privatkundenkonzept mit der Abo-Box überzeugt – aber auch für Firmenkunden ist Foodist interessant: So gibt es beispielsweise die Möglichkeit, sein eigenes Logo auf die Produkte drucken zu lassen. Zudem überzeugt mich das Look & Feel, die Webseite ist aufgeräumt und auf Facebook hat man auch schon eine recht beachtliche Community aufgebaut. Unterm Strich also: Daumen hoch!“


 

embraase.com – App Developer-Backend

 

<a title="twitter.com/c_raethke" href="https://twitter.com/c_raethke" target="_blank">Christoph Räthke</a> ist seit 1996 in der Digitalbranche, führt das unabhängige Accelerator-Programm <a title="berlinstartupacademy.com" href="http://berlinstartupacademy.com/" target="_blank">Berlin Startup Academy</a> und schreibt die Startup-Kolumne des Magazins <a title="www.business-punk.com" href="http://www.business-punk.com/" target="_blank">Business Punk</a>.

Christoph Räthke ist seit 1996 in der Digitalbranche, führt das unabhängige Accelerator-Programm Berlin Startup Academy und schreibt die Startup-Kolumne des Magazins Business Punk.

„Mein Startup des Jahres ist embraase.com. Zum einen ist es Absolvent der Berlin Startup Academy, zum zweiten hat embraase im Juni vom High-Tech Gründerfonds und Axel Springer Geld bekommen, und zum dritten ist es eines von den vielen Startups, die dem oft erfundenen „Berlin-Hype“ tätig widersprechen. Die Gründer Christian und Steffen sind fokussierte, zurückhaltende Menschen, denen nach Jahren der Games-Entwicklung die Idee eines neuen App Developer-Backends kam. Mit dem man als SaaS noch nach dem Deploy Parameter ändern kann, ohne dafür die ganze App neu launchen oder updaten zu müssen – Parameter wie für spezifische Nutzergruppen zugeschnittene Preispunkte oder Spiel-Challenges. Ein Enabler für die App Economy also – getreu dem alten Merksatz, dass in einem Goldrausch nicht der Digger reich wird, sondern der Hersteller von Schaufeln und Spitzhacken.“


 

BetterDoc – Unabhängige Zweitmeinung von Fachärzten

 

<a title="www.xing.com" href="https://www.xing.com/profile/Holger_Hegemann2" target="_blank">Holger Hegemann</a> ist unabhängiger Versicherungsmakler und spezialisiert auf Startups und Jungunternehmer. Die <a title="www.gruenderfinanz.de" href="http://www.gruenderfinanz.de/" target="_blank">GründerFinanz</a> bietet neben der Risikoabsicherung durch spezielle Versicherungskonzepte auch interessante, moderne Versicherungslösungen zur Mitarbeiterbindung und Absicherung.

Holger Hegemann ist unabhängiger Versicherungsmakler und spezialisiert auf Startups und Jungunternehmer. Die GründerFinanz bietet neben der Risikoabsicherung durch spezielle Versicherungskonzepte auch interessante, moderne Versicherungslösungen zur Mitarbeiterbindung und Absicherung.

„Mein Startup des Jahres 2014 ist BetterDoc. Hier haben Patienten die Möglichkeit, eine unabhängige Zweitmeinung von ausgewählten Fachärzten zu bestehenden Diagnosen einzuholen und dadurch angeratene Behandlungen oder Operationen etc. prüfen zu lassen. Oftmals vertrauen wir einem Arzt ohne weitere Nachfrage und holen weitere Infos nur selten ein. Hier schafft BetterDoc mit hoher Qualität Abhilfe. Da BetterDoc nicht nur Empfehlungen gibt, sondern auch die (Behandlungs-)Ergebnisse dieser Empfehlungen überprüft, entsteht ein Qualitätsprozess (Kreislauf) der zu immer besseren Empfehlungs- und Erfahrungswerten führt.

BetterDoc schafft aber auch noch einen weiteren Vorteil für unser Gesundheitssystem in Deutschland. Wie vermutlich jeder selber schon oft gemerkt hat, steigen regelmäßig die Beiträge der Krankenkassen (PKV & GKV) oder die Leistungen werden gekürzt (GKV). Dieses liegt neben dem medizinischen Fortschritt und dem demographischen Wandel auch an unnötigen und falschen Behandlungen, die von den Krankenkassen trotz ausbleibendem Erfolg bezahlt werden müssen. Hier können die Kosten durch die vorherige Empfehlung durch BetterDoc enorm gesenkt werden, da durch die Zweitmeinung der Weg zur richtigen Behandlung und zum richtigen Arzt erleichtert wird. Somit zahlen die Kassen seltener für falsche Behandlungen und können Kosten einsparen. Dieses kommt natürlich auch wieder dem Patienten und allen Menschen im deutschen Gesundheitssystem zu Gute, da die Beiträge  der Krankenkassentarife weniger stark steigen.

Fazit: BetterDoc schafft in einem kränkelnden Gesundheitssystem eine neue Qualität für alle und verbessert den Behandlungserfolg der Patienten und reduziert dazu auch noch die Kosten der Krankenkassen. Deshalb ist BetterDoc mein Startup des Jahres 2014″


 

readfy – Wichtiger Wegbereiter im Publishing

 

Leander Wattig begleitet als freier Blogger und Berater den Wandel der Buchbranche

Leander Wattig begleitet als freier Blogger und Berater den Wandel der Buchbranche.

„Eine der zentralen Herausforderungen der Buchbranche ist der veränderte Medienkonsum. Wie in anderen Medienbereichen auch steigt hier die Nachfrage nach Streaming-Modellen. Zugleich ist offen, wie attraktiv und ökonomisch tragfähig diese Ansätze sind. Dies gilt es in bester Startup-Kultur experimentell herauszufinden. readfy tut das, ist damit ein wichtiger Wegbereiter im Publishing und mein Startup des Jahres.“

Und was ist Ihre Meinung? Welche jungen Unternehmen, Ideen oder Projekte haben Sie im Jahr 2014 begeistert? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!

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