Gründen mit schmalem Geldbeutel – das Start-up Space Wallet im Porträt

Spacewallet Geldbeutel

Das Bayreuther Start-up Space Wallet löst ein Problem, das jeder kennt: Ein mit Münzgeld, Kredit- oder Visitenkarten vollgestopftes Portemonnaie hinten in der Hostentasche ist beim Sitzen unbequem und beult die Hosentaschen aus. Die beiden Space Wallet-Gründer René Seppeur und Matthias Groo haben deshalb eine Alternative entwickelt, die den gesamten Inhalt eines normalen Portemonnaies auf minimale Größe komprimiert und bequem in jede noch so enge Hosentasche passt. Ende 2013 gestartet, haben sie bis heute mehr als 2000 Space Wallets verkauft – und das mit schmalem Geldbeutel: Denn Startkapital stand kaum zur Verfügung.

Space Wallet Freizeit

Die Inspiration zum Space Wallet kam – wie bei so vielen Geschäftsideen – aus den USA: Mitgründer Matthias Groo studierte im Wintersemester 2012/2013 für einige Monate in Fresno/Kalifornien, wo ihm auffiel, dass Amerikaner mit deutlich schlankeren Geldbeuteln unterwegs sind. Zurück in Deutschland absolvierten Groo und Mitgründer René Seppeur ein gemeinsames Praktikum in Berlin. Angesteckt vom Spirit der deutschen Gründer-Hauptstadt brainstormten die beiden sich die Köpfe heiß – bis ihnen schließlich die Idee zum Space Wallet, dem perfekten Geldbeutel, nicht mehr aus dem Kopf ging.

Mit gerade mal 4.000 Euro Startkapital aus diversen Studenten-Jobs zogen die beiden los und suchten Produzenten, um die Idee in ihrem Kopf Wirklichkeit werden zu lassen. Sie fanden einen Hersteller, der exklusiv für sie ein Spezial-Band webte, sowie eine fränkischen Näherei, in der alles zusammengenäht wird. 400 Space Wallets ließen Sie von einem Teil des Startkapitals produzieren.

Spacewallet Geldbeutel

Der Space Wallet komprimiert den Inhalt eines normalen Portemonnaies auf Kreditkartenformat und bleibt dabei absolut flach. Ein elastisches Band hält Geldkarte und Geldscheine, aber auch den iPod oder einen USB-Stick, zusammen; ein Lederfach bietet Platz für Münzen. Dabei ist ein Space Wallet nur 2 Gramm schwerer als ein DIN A4 Blatt (9 Gramm).

Und die wollten an den Mann und die Frau gebracht werden – beziehungsweise in deren Hosentaschen. Und das mit geringem Budget. Also aktivierten Seppeur und Groo ihre Freunde: Einer half bei den Designs, andere bei der Produktion eines Imagevideos – um die Space Wallets verkaufsfördernd in Szene zu setzen. Eine Design-Umfrage auf dem Uni-Campus ersetzte aufwendige Marktforschung und förderte motivierendes Feedback zu Tage. Der erste Online-Shop entstand kostengünstig mit Hilfe des Website-Baukasten-Systems Jimdo.

„Vor einigen Wochen wurde unser Space Wallet Online-Shop von Amazon überholt“

Im Dezember 2013 startete der Verkauf. Und das nicht nur über den eigenen Webshop, sondern ebenso über bekannte Online-Marktplätze wie Amazon und DaWanda. Schon ein halbes Jahr später genügte die schnelle Jimdo-Lösung schon nicht mehr den Ansprüchen der Gründer – und musste mit einer eigenen Lösung professionalisiert werden. Mittlerweile werden die Geldbeutel von Space Wallet nicht mehr ausschließlich über das Internet vertrieben, sondern sind auch in zahlreichen Geschäften erhältlich. Um ihre Produkte dort zu platzieren, tauschen sich die Gründer persönlich vor Ort mit dem Einzelhandel aus.

„Vor einigen Wochen wurde unser Online-Shop von Amazon überholt. Der neue Online-Shop konvertiert leider auch noch nicht so wie er sollte. Da müssen wir und der Webentwickler noch optimieren. Sobald das passt, wird auch mehr in das Online-Marketing investiert. Im Einzelhandel konnten wir zuletzt auf eigene Faust viele Läden akquirieren. Hier arbeiten wir gerade an einer neuen Verpackung, mit der wir dann im Einzelhandel sehr gut vorankommen sollten – zusammen mit Handelsvetretern und -agenturen“, erklärt René Seppeur.

Space Wallet hat auch Unternehmen im Blick

Bei ihren Marketing-Maßnahmen haben die Gründer aber nicht nur Endkunden im Blick, sondern ebenso Unternehmen, die auf der Suche nach innovativen Mitarbeiter- oder Kundengeschenken sind. So hat sich zum Beispiel das Münchner Traditionswirtshaus Pschorr eine individualisierte Pschorr-Edition produzieren lassen.

Der direkte Austausch im Dialog mit Kunden sowie das indirekte Feedback, das sich beispielsweise aus der Rücksendequote des Online-Shops ableiten lässt, dient dabei als Messlatte für die Zufriedenheit der Kunden. Aus Wünschen und Vorschlägen lassen sich Lücken im Sortiment ablesen und neue Produkte generieren. Weil sich zum Beispiel ein veganer Kunde eine Space Wallet-Version ohne tierische Produkte wünschte, gibt es jetzt auch das Modell „Business Black Vegan“ aus Kunstleder.

Spacewallet Gründer Rene? Seppeur.jpg

René Seppeur kann GO AHEAD als Gründungsagentur absolut weiterempfehlen – und fand im Webangebot vor allem wertvolle Tipps zur Auswahl der Rechtsform. Außerdem empfiehlt er anderen Gründern die Blogs von Fast Bill-Gründer Christian Häfner (letsseewhatworks.com) sowie Ben Paul (anti-uni.com) zur Lektüre.

Der Erfolg wächst langsam aber stetig: Im September 2014 wurde erstmals die 100ter Marke im Online-Bereich geknackt; im Einzelhandel sogar 125 Space Wallets verkauft. Und das ohne nennenswerte Ausgaben für Marketing: Ein wenig Facebook Werbung sowie das Engagement der Gründer via Social Media und im Blog sowie „offline“ auf Kongressen oder Vorträgen sind zur Zeit die Erfolgsfaktoren.

Bislang zahlen sich die beiden Gründer auch noch kein Gehalt aus; René Seppeur arbeitet als Freiberufler, Matthias Groo ist in weiteren Projekten aktiv. Doch natürlich soll sich das in Zukunft ändern und aus GbR mittelfristig eine GmbH erwachsen: „Am Anfang war die GbR für zwei Studenten wie uns die mit Abstand einfachste und günstigste Alternative. Das Risiko haben wir als überschaubar eingeschätzt. Für die nächsten sechs Monate ist auch keine Änderung in der Richtung geplant. Mittelfristig ist aber eine GmbH das Ziel – wenn es Sinn macht und die Umsätze so wachsen, wie erwünscht“, erklärt René Seppeur.

1 Kommentar zu “Gründen mit schmalem Geldbeutel – das Start-up Space Wallet im Porträt

  1. Ben

    Cooler Artikel!
    Und besten Dank für die Blumen und die Erwähnung!
    Cheers und weiter so!
    Ben

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.