Ein Versicherungsmarktplatz der besonderen Art

Steckbrief

  • Name: Tim Kunde
  • Firmenname: Friendsurance

Vor knapp zwei Jahren sind vier Gründer mit einer innovativen Idee gestartet. Dabei führen sie die Idee der Versicherung auf ihre Wurzeln zurück ? lediglich mit modernen Mitteln des Internets. Mit Friendsurance (www.friendsurance.de) bietet die Alecto GmbH ein neues Konzept von Versicherung, das die Vorteile des Social Web auf Versicherungen überträgt. Wir haben mit Tim Kunde einem der vier Gründer gesprochen.

GO AHEAD: Mit Friendsurance präsentieren Sie eine ganz neue Idee Herr Kunde. Können Sie uns diese kurz erklären?

Tim Kunde: Angefangen hat alles mit einem Erlebnis: Eine Dachlawine in Berlin sucht ihren Weg nach unten und trifft das Auto von Janis Meyer-Plath. Weder die Versicherung noch die Eigentümer des besetzten Hauses, vor dem das Auto parkt, sind bereit für die Kosten der kaputten Heckscheibe aufzukommen. Die Kosten bleiben nachher bei ihm hängen, aber dem Freundeskreis erhält er viel Solidarität,.

Unser Ansatz ist, diese beiden Welten zusammenzubringen. Menschliche Netzwerke und Versicherungen. Und wenn man es genau betrachtet, ist der Ansatz auch gar nicht so schwer. Versicherungen sind von Haus aus eine soziale Einrichtungen. Wir bringen sie jetzt durch Friendsurance in Einklang mit dem Social Web.

Wir bieten günstige Versicherungen namhafter Konzerne in den Bereichen Haftpflicht, Hausrat und Rechtsschutz. Durch das soziale Netzwerk kann man noch einmal an den Beiträgen sparen. Denn wenn alle Personen, mit denen man bei Friendsurance verbunden ist ? das eigene Netzwerk ? in einem Jahr ohne Schadensfall bleiben, erhält man einen Teil der gezahlten Beiträge zurück.

GO AHEAD: Sie sind zu viert gestartet. Was hat Sie bewogen, den Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen?

Tim Kunde: Drei von uns waren im Vorfeld bereits in der Start-Up Szene in Berlin aktiv. Nach dem Vorfall von Janis saßen wir zusammen und haben aktiv an der Existenzgründung gearbeitet. Von der Faszination einer selbstständigen Arbeit waren wir da schon alle überzeugt bzw. haben sie bereits vorher erlebt.

Und die letzten beiden Jahre haben das noch einmal bestätigt. Die Freude, etwas Eigenes zu machen, ein Konzept begeistert gemeinsam zu realisieren, ist einfach ein Antriebsfaktor, den man so in einer Festanstellung nicht findet.

GO AHEAD: Sie haben als Rechtsform die Gesellschaft mit beschränkter Haftung gewählt. Warum?

Tim Kunde: Die Rechtsform ist gut überlegt. Wir haben im Gründungsprozess abgewogen zwischen einer AG und einer GmbH ? beides eingeführte Gesellschaftsformen mit den sowohl die Versicherungen als auch die Versicherten vertraut sind. Die GmbH hat letztendlich das Rennen gemacht, weil sie am besten zu handhaben ist und für die Startphase am besten gepasst hat. Ich will nicht ausschließen, dass wir später auch mal in eine AG umfirmieren.

GO AHEAD: Mit Friendsurance geht die Alecto GmbH gleich ein großes Projekt an. Sicherlich nicht ohne einen fundierten Businessplan?

Tim Kunde: Da haben Sie natürlich Recht. Wir haben gemeinsam aus unserer Erfahrung heraus einen klaren Businessplan mit einem Forecast von fünf Jahren erstellt. Da wir als Team über die notwendige Kompetenz verfügen sind wir an der Stelle ohne Berater ausgekommen. Der Businessplan begleitet uns ? natürlich fortgeschrieben ? im Übrigen auch heute noch.

GO AHEAD: Sie haben vor knapp zwei Jahren gegründet und gehen jetzt in die bundesweite Vermarktung, d.h. Sie mussten zwei Jahre finanzieren. Wie ist Ihnen das gelungen?

Tim Kunde: Da haben uns unsere Kontakte in der Berliner Szene geholfen. Wir hatten von Beginn an Kontakt zu einem Business-Angel-Netzwerk und haben darüber die erste Finanzierungsrunde realisieren können. In der zweiten Runde konnten wir dann mit eVenture einen institutionellen Finanzpartner gewinnen.

GO AHEAD: Eine Frage, die uns bei allen Gründer beschäftigt ist, ob sie den Schritt noch einmal gehen würden. Die Antworten lassen im Prinzip nur ein überzeugtes JA zu.

Tim Kunde: Stimmt. Selbstverständlich ist die Existenzgründung anstrengend, klar ist es Stress und man muss auch viel arbeiten, um erfolgreich zu sein. Aber das wird alles aufgewogen durch die Gestaltungsspielräume, die man hat. Bei uns kommt dazu, dass wir ein tolles Team haben. Das macht die Selbstständigkeit gleich noch einmal attraktiver.

GO AHEAD: Letzte Frage: Was können Sie Existenzgründern als Do’s und Dont’s mit auf den Weg geben?

Tim Kunde: Wichtig zum Start in die Selbstständigkeit sind sicherlich ein paar kaufmännische Grundkenntnisse. Hat man die nicht, sollte man die sich auf alle Fälle in beratender Art und Weise sichern, besser noch durch ein entsprechendes Gründungsmitglied. Die zweite Voraussetzung ist sicherlich, dass man an seine eigene Idee glaubt und sich nicht von den ersten Bedenkenträgern aus der Bahn werfen lässt. Die wird es immer geben. Da muss man sich ein dickes Fell zulegen.

Heute hat sich insgesamt das Gründungsklima in Deutschland verbessert. Ich habe den Eindruck, dass der Schritt eher anerkannt wird als in früheren Zeiten. Mit einer gesunden Prise Pragmatismus in den Entscheidungen und einer kaufmännischen Abwägung, die Kosten im Griff hält und Investitionen tätigt, kann ich jedem nur raten, den Schritt zu gehen.

GO AHEAD: Vielen Dank für das Gespräch.

Tim Kunde: Auf Wiedersehen.

 

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